Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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^.■—.l,——• -. -■ ■-■— 34 beziehe, selbst auf solche, die bereits im Talmud als Ausdruck der religiösen Gesinnung ihrer Verfasser Vorkommen; daß nur das Schema, und die Berachoth s ' und die Tefilla der integrierende unerläßliche Teil des Gottesdienstes sei und auch. in diesen Gebetstücken Zusätze enthalten wären, die nicht dieselbe Unantastbarkeit wie die ursprünglichen Formeln in Anspruch nehmen können. Das Verdammungs- [ und Verketzerungsurteil des R. Bernay's wäre mithin in der Ausdehnung unbe- ■’ gründet, lieblos, einseitig und engherzig und welcher Gesinnung und Ansicht wir ' auch selber wären, müssen wir doch gegen solche Rücksichtslosigkeit, die das edlere . und bessere Streben des Vereines verkennt und verdächtigt und Alles nach dem l starren Buchstaben mißt, protestiren. Über die Rabbinerversammlung äußert sich Mannheimer in einem Briefe. Auf Ihre Zuschrift von letzthin habe ich nur zu * erwidern, daß ich nicht zur Rabbinerversammlung gehe und mich diesen Bestrebungen überhaupt nicht anschließe. Abgesehen davon, daß ich mit Männern wie Holdheim und Heß in kein collegiales Verhältnis treten will, mit ihnen über das '■ Heil und Wohl meiner Glaubens- und Schicksalsgenossen nicht conferieren und be- L raten kann, bi» ich überhaupt auch mit den Tendenzen nicht einverstanden Mein Bestreben war ein Läuter» und Klären, Ausbilden von Innen heraus. Hier t stellt man sich über das Judentum und ihm gegenüber. Das ist mein Standpunkt nicht. — Die Bewegung läßt sich nicht mehr aufhalten, sie führt zu einem Schisma s und einer Trennung im Judentum, die ich nicht einmal bedauere. Gin Hhrist über die Juden.? In einem im Verlage von Th. Dorfmeister in Wien erschienenem Buche; Semitismus von K. P. finden wir über die Juden Nachstehendes: Von den alten semitischen Culturvölkern sind gleich den arischen nur wenige t Überreste geblieben. Teilweise ganz aus dem Dasein geschwunden, vegetieren die >' Überbleibsel ähnlich den Persern, Indern und Griechen fast nur dem Fachgelehrten - interessant, im fernen Asien oder Afrika. Nur die Juden allein haben sich, nachdem ' sie als Nation auseinandergerissen wurden — als Religionsgenossenschaft — über die ganze Erde zerstreut, auf der Höhe der Cultur erhalten ein Zeichen seltener geistiger * wie physischer Kraft bietend. In der Geschichte des Volkes, welches schlechtweg . Juden heißt, giebt es drei Hauptperioden. In der ersten, die eigentlich hebräische,; sind sie Nomaden gleich den Arabern. In der zweiten, unter den Richtern und , der Begründung des Königtums Israel durch Saul und David, heißen sie Israeliten. Nach der Zerstörung des Reiches und der Wegführung des Volkes nach Babylon ' entsteht von dort aus die dritte Periode. Die in das kleine Judäa Zurückgekehrten bildeten sozusagen jenes Volkstum heran, welches bis auf den heutigen Tag das s jüdische genannt wird. Die älteste Geschichte des Volkes der Hebräer oder Israeliten