Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i-n—.-T—r-! -," v—- *jrr- ■—n--77^ I — 32 — Judenschaft im Allgemeinen sowohl als besonderen Gebet inniglich anrufen und sich dabei kniebeugend zu kaiserlichen Gnaden niederwirft. Der Kaiser erwiderte: Wir werden die Judenschaft in unserem Allergnädigsten Schutz behalten und ihr auch ferner unsere Gnade angedeihen lassen. Die zwei anderen Vorsteher stellten dann die Geschenke auf den Tisch, der sich neben dem Thron befand. Herr Susel Kulp stieg dann, wie er sich vom Minister erbeten hatte, eine Stufe an den Thron und küßte den Saum des kaiserlichen Mantels; ebenso thaten alsdann die zwei anderen Deputierten. Dann gingen alle drei rückwärts weg und machten wieder die drei Reverenzen wie beim Eintritt. — Sie gingen nun in derselben Ordnung in das Zimmer, worin sich Seine Majestät, der römische Kaiser befand. Hier hielt Herr Susel Kulp folgende Anrede: Merdurchlauchtigster, großmächtigster und unüberwindlicher römischer König! Allergnädigster Herr! Euerer römisch-königlichen Majestät in allertiefster Submission Namens deren allerunterthänigste Kammerknechte einer hiesigen Judenschaft, daß Allerhöchstdieselben allerhuldvollst erlaubt haben, Dero Allerhöchsten Gnadenthron fußfällig zu nahen, unsere allerdemütigste Freude zu bezeugen und auch mit einem geringen Präsent aufwarten zu dürfen. Wir supplicieren also in tiefster Ehrfurcht, Eure römisch königliche Majestät geruhen allergnädigst, dieses alledevoteste Opfer anzunehmen und uns Dero allerdurchlauchtigsten, großmächtigsten und unüberwindlichen römischen Kaisers und Herrn Vaters Majestät allermildest geschehen, zu erhalten. Wir, Dero allerunterthänigsten Knechte, flehen Gott den Allmächtigen täglich, sowohl ins Gemeine als Besondere herzlich an: Er wolle Dero allerhöchstes geheiligtes Haupt und Dero allerdurchlauchtigsten Eltern Majestäten, nebst dem gesamten kaiserlichen Erzhaus, bei immerwährender höchster Glorie,Gl anz, Blüte und Wachstum in allem nur erdenklichen niemals unterbrochenem Glück und Segen bis zu dem spätesten Lebensalter erhalten! Amen! Ihre römische Majestät erwiderte ebenfalls sehr huldvoll. Die oben beschriebenen Geschenke wurden auf einen Tisch niedergelegt, welcher neben dem Thron stand. Dann ging die Deputation in die Audienz zu dem Erzherzog Leopold kaiserliche Hoheit, allwo Herr Kulp den Präsentierteller mit den 100 Reichsgulden überreichte und Herr Leser Leiter die zwei Leuchter. Kulp hielt auch hier wieder die folgende Anrede: Durchlauchtigster Erzherzog! Gnädigster Herr! Gleichwie die gemeine Judenschaft Hierselbst die allergnädigste Erlaubnis erhalten hat, Ihrer Kaiserlichen Majestät und Ihrer römisch-königlichen Majestät die gewöhnlichen Präsente allerunterthänigst zu überreichen, also hat dieselbe nicht ermangeln wollen, Eurer kaiserlichen Hoheit ebenfalls mit dergleichen unterthänigst aufzuwarten, welchem wir also im Namen unserer Gemeinde hiermit unterthänigst Nachkommen wollen mit submissester Bitte» daß Eure Kaiserliche Hoheit solches geringe Präsent gnädigst an- KUnehmen chuldreichst geruhen. Wir bitten den allmächtigen Gott, daß er Eure