Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — :\i wartet geschehen, so war keiner der Deputirten, die ihren Geschäften nachgegangen , - waren, zu Hause, sie wurden ausgesucht und versammelten sich im Hause des Herrn Susel Kulp. Alle drei waren in schwarzem Sammet gekleidet und trugen schwarze seidene Mäntel mit Umschlägen darüber. Von diesem Haufe aus fuhren die Deputirten in einer Kutsche; in einer zweiten Kutsche folgten die zwei Gemeinde-/ diener, ebenfalls schwarz gekleidet, aber ohne Mäntel; die Diener führten die; Geschenke mit sich. — Die Geschenke bestanden für den Kaiser in einer Kiste von ' gelbem Safian mit schwarzem Sammt gefüttert. Darin befand sich eine große silberne, inwendig vergoldete Podolie-Kump (Suppenschüssel) mit schönem Deckel, einer Platte und einem Löffel, alles nach der neuesten Fayon mit Laubwerk veri ziert, 24 Mark schwer; ferner ein reich mit Goldspitzen verzierter Beutel, in dem sich 300 neue Reichsgulden befanden mit dem Bildnis König Joseph II.; ein gleiches Geschenk erhielt der König Joseph II. Der Erzherzog Leopold zwei / silberne dreiarmige Leuchter, welche mit silbernem Präsentierteller 15 Mark wogen. Ferner einen aus Drapd'or verfertigten, mit silbernen Spitzen besetzten Beutel mit .. 100 neuen Reichsgulden ,; | Nun stiegen die Deputierten aus; die Gemeindediener trugen die Kiste bis zum Audienzzimmer. Dortselbst angelangt, nahm der Vorsteher Susel Kulp die Suppenschüsselplatte, worauf der Beutel mit dem Gelde lag, nebst dem Vorlegelöffel und stellte sich zur Rechten; in die Mitte ging der Sprecher, Leser Leiter, zur Linken Moses Scheier, der die Suppen-Kumpe mit dem Löffel trug. Bei dem Eintritt in das Zimmer verneigten sie sich zur Erde; ebenso in der Mitte des Zimmers und endlich zum dritten Male an den Stufen des Thrones, worauf sich Se. Kaiserliche Majestät befand; da sich aber die Deputirten noch etwas entfernt vom Kaiser aufgestellt hatten, so befahl ihnen der Kaiser näher zu treten. Hierauf hat der Sprecher folgende Anrede an Se: Kaiserliche Majestät gerichtet: Allerdurchlauchtigster, großmächtigster und unüberwindlicher römischer Kaiser! Erlauben Euere kaiserliche Majestät, daß, nachdem das ganze Frankfurt übet seren - allerhöchste Anwesenheit bei einer so glorreichen Gelegenheit sammt dem ganzen / Reich seine innigliche Freude bezeugt hat auch Dero getreue Kammerknechte, die hiesige Judenschaft sich zu deren Füßen werfe und zu größerer Bezeugung ihrer 4 Devotion ein Geschenk überreiche, welches nicht nach der Größe, sondern nach ihren ' geringen Umständen abzumessen sei. Eurer kais. Majestät mächtigem Schutz empfiehlt sich die gedachte Judenschaft in voller Unterthänigkeit: Gott segne Allerhöchst dieselben als einen Mann nach dem Herzen Gottes; er erhalte deren Allerdurchlauchtigste ' Frau Gemahlin, kaiserliche und königliche 'Apostolische Majestät, er gebe dem ■ glorreichen römischen König, was er an dem König Salamo verheißen; er wende seine Gnade Dero ganzen kaiserlichen Hause zu! Dieses ist dasjenige, worum und wofür Gott den Allerhöchsten die demütige