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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-02-01 · Heft 2 (1.2.1901) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 2 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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und Erzherzog Leopold in Heusenstamm an, Sonntag den 24. März ging der Gemeindevorsteher, der kaiserliche Hoffactor Susel Kulp nach Heusenstamm, um im Namen der Judenschaft eine Audienz zu erbitten und erhielt von dem kaiserlichen - Oberkämmerer Fürst von Kevenhüller die Versicherung, daß man diesem Gesuche willfahre und eine Zeit bestimmen werde. Am 27. März fiel die Wahl auf Joseph j'- und am 28. wurde ein prächtiger Einzug gehalten. Der Krönungstag wurde auf [' den 25. April festgesetzt. — Durch Ratsdekret war verfügt worden, daß kein Jude am Krönungstage sich aus der Gasse entfernen dürfe. Am Samstag den 30. März i ■ ging aber Susel Kulp zum Reichskanzler Fürst von Coloredo und den übrigen ' Großen des Hofes, um dieses Dekret rückgängig zu machen. Obgleich er diese Zu-; sage erhielt wurde Sonntag darauf noch einmal eine Deputation an den Fürstenkanzler abgeschickt, bestehend aus den Herren Susel Kulp, Leser Leiter und Moses r ■ v Scheier. Diesen gelang es nicht nur, daß das betreffende Ratsdekret aufgehoben wurde, sondern sie erwirkten auch einen Befehl an die Militärbehörde und an die > löblichen Bürgerkapitäne, worin dieselben angewiesen wurden mit besonderer Obhut 1 darüber zu wachen, „daß keinem Juden etwas in den Weg gelegt werde"; wirklich $ wohnte die ganze Gemeinde von Groß bis Klein dem Krönungszuge bei und 1: Niemanden widerfuhr ein Unbill. Kinder, Männer, Greise, Jünglinge und Jungl; frauen erhoben lautes Vivatgeschrei und es war, wie es im Buche Esther (Kap. 8, ( . Vers 16) heißt: bei den Juden Licht und Freude und Lust und Ehre! r Am Tage nach der Krönung ging Herr Susel Kulp wieder zum kaiserlichen Minister, um an die in Heusenstamm zugesicherte Audienz zu erinnern, um F die von der Gemeinde bestimmten Geschenke überreichen zu dürfen. Durch den x Fürsten-Reichskanzler erhielten sie die wiederholte allergädigste kaiserliche Versicherung, daß ihnen nächstens angesagt werden solle, wann die Audienz stattfinde. — F Der Fürst-Reichskanzler gab einem seiner Untergebenen den Besehl, die Wohnung - des Gemeindevorstehers zu notieren und denselben mit der oben erwähnten Deputation ( zur festgesetzten Zeit abzuholen. Doch die Angelegenheit stand auf dem Punkte . Hintertrieben zu werden. Es befand sich zur Zeit ein Jude in Frankfurt a. M, E der nicht zur Gemeinde gehörte; dieser wollte sich zum Fürsprecher aufwerfen, wollte Leute zur Audienz und zur Überreichung der Geschenke nach seinem Willen F. regeln, was natürlich gegen die Ehre der Gemeinde lief, daß ein Fremder sich, ohne gerufen, in die Gemeindeangelegenheiten mischen sollte; dieser aber wurde nun zu einem heftigen Gegner und suchte die Audienz zu vereiteln. Aber der liebe Gott, gelobt sei er und sein heiliger Name, ließ es der außerordentlichen Mühe des Gemeindevorstehers Susel Kulp gelingen, die zum Wohle der Gemeinde erbetene Audienz zu erhalten. Seine kaiserliche Majestät gab dem Fürsten-Oberstkämmerer den Befehl, der jüdischen Deputation die Audienz auf Samstag zu be- . stimmen. Allein Freitag Vormittag um 10 Uhr wurde plötzlich die Deputation ( zur Audienz bei dem Kaiser und den Erzherzogen befohlen. — Da dieses uner-

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