Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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—^'vuwnf — 29 — in Einklang stand für unsere Betrachtung aber recht wunderlich sich ausnehmett würde, noch Ufrechthalten werden. Haben nicht selbst diejenigen, die angeblich gegen jede Neuerung auf dem Gebiete der Religion ankämpfen, nicht unwillkürlich manche erhebliche Zugeständnisse an den Zeitgeist gemacht, die sie ihm nicht vorenthalten konnten. Haben nicht Tausende und Tausende die Dämme des Gesetzes durchbrochen und da sie sich deshalb für Sünder hielten auch von dem Lebensquell der Religion überhaupt sich weggewendet. Ist es nicht eine dringende zeitgemäße Aufgabe, die; Religion mit der Geschichte in Einklang zu bringen, die Lehre mit dem Leben zu versöhnen . und dem Judentume die Bahnen eines heilsamen Fortschritts zu öffnen? Muß nicht . der schamlose Frevel, der gegenwärtig mit unserer Lehre geübt wird, und die wider- , liche Heuchelei, die auf dem Boden des Judentums sich bereit macht, jedes wahrhaft religiöse Gemüt empören und mit ernster Sorge für die Zukunft erfüllen? Ja, die Lehre mit dem Leben versöhnen! Wenn nun noch irgend welches gestaltungsfähiges Leben da wäre! An das Leben in Israel wollen wir anknüpfen, seinen Bund mit der Religion wieder Herstellen, doch wo wir Hinblicken ist alles tot» kein Herz für die Wahrheit und der Glaube nur lauter welkes Gebein, das zerstreut auf den Gefilden umherliegt und aus dem Staube der Erde sich nicht zu erheben vermag? Die Religion Israels ist noch da, aber sie hat kein Volk, das Wort Gottes verhallt »«gehört und unbeachtet, die Männer der Wahrheit werden befeindet und verfolgt und Frevler und Heuchler werden großgezogen, die es belügen und seine Verderbtheit und Entartung fördern und hochpreisen. Warten wir nicht, bis man dem geistig erstorbenen, innerlich toten Israel auch auf dem Boden der Geschichte sein Grab bereitet und plötzlich der Sturz über uns kommt, den wir durch die eigene Schuld herbeiführen. Zeit ist es, für die Sache Gottes, für den Fortbestand der Religion die Trümmer und Schutthaufen von dem Boden des Judentums wegzuräumen und es von neuem aufzubauen auf den Grundlagen der ewigen Wahrheit und der heiligen Gesinnung in den Herzen. Das ist die Aufgabe, die wir Gott» uns selbst und auch der übrigen Menschheit gegenüber zu erfüllen haben. Möge auch diese Lehre in das Leben eindringen und dem wirkendem Worte bald folgen die helfende That Kericht über eine Audienz der Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. bei Gelegenheit der Krönung Joseph U. im Jahre 1764. Am 7. Januar 1764 war Kurfürstentag zur römischen Königswahl und wurde der Wahltag auf Mittwoch den 27. angesetzt. Am 22. März, auf einen. Freitag, kamen Se. Kaiserliche Majestät mit ihren beiden Söhnen Kronprinz Joseph, ,