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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-02-01 · Heft 2 (1.2.1901) · p. Seite 28

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 2 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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^'-'71,1 * -.«1 -*7 w*. — 28 — gedeiht, überall Wurzel gefaßt, wo in den Herzen noch Empfänglichkeit für das ewig Wahre vorhanden war, und nicht in starrem, finsterem, weltflüchtigem Wesen die Grundlage ihrer Erhaltung gesucht. Es haben für Israel gar oft die Zeiten und Geschicke sich geändert und es hat mit ihnen auch die Gestaltung der geistigen . Anschauung und des gottesdienstlichen Lebens sich geändert, aber die Lehre Israels ist dennoch stets dieselbe geblieben, weil auch die Wahrheit, die aus Gott stammt Und zu Gott führt stets dieselbe ist, wie ihre äußere Einkleidung auch immer beschaffen , sein mag. So besaß Israel in seiner Lehre einen Baum des ewigen Lebens, der mit seiner Krone in den Himmel hineinragte, aber auch für die Erde seine Früchte trug, indem die Lehre mit dem Leben, in Religion mit der Erfahrung stets Hand in Hand ging, das Ewige auch dem Zeitgemäßen sich zugesellte. Zeitgemäß war eS in den Tagen des Altertums, daß die Gottesverehrung in der Darbringung , tierischer Opfer, wie sie damals bei allen Völkern gebräuchlich war, sich bekunde : und es wurde Israel, welches erst für die Gotteserkenntnis erzogen werden sollte, , dieses Zugeständnis in weitestem Maße gemacht und der ganze Priesterdienst im göttlichen Heiligtums so eingerichtet, daß er jener Anschauung entspreche. Zeitgemäß . war es, als der Zionstempel in Flammen aufgegangen war, und auch das alte Erbpriestertum sich überlebt, eine neue Anschauung des Judentums in den Geistern sich vorbereitet hatte, daß das ganze Opferwesen samt allen mit ihm zusammenhängenden Einrichtungen erlösche. Und auch diese Umwandlung hat auf das religiöse Leben , nur läuternd eingewirkt. Das Judentum hat diesen thatsächlichen Erfordernissen und Verhältnissen der verschiedenen Zeiten sich gefügt, dem in tiefen Herzensbedürfnissen seiner Bekenner erwachendem Verlangen da wie dort keinen Widerspruch entgegen- .. gesetzt und ist dennoch sich gleich geblieben, dasselbe mit allen diesen verschiedenen Stufen seiner Entwicklung. Warum? weil es nie in die starre Äußerlichkeit sein Wesen : hineinverlegt hat, vielmehr mit der Geschichte stets in Einklang geblieben ist, mit - dem Geiste der Zeiten stets im Bunde geblieben, seine unvergängliche Jugend in der fortschreitenden Erneuung des geistigen Lebens sich gewahrt. Sollte diese Thatsache, daß in dev Tora Gesetz und Geschichte von einander nicht geschieden. Lehre ' und Leben in Israel einander nie fremd gegenüber gestanden sind, sollte diese Wahrnehmung, die uns einen tiefen Einblick in das Wesen des Judentums giebt, nicht auch für uns noch manche ernste Mahnung, manche lehrreiche Anregung erhalten, hinsichtlich der Stellung, die das Judentum in unserer Mitte einnehmen müsse und hinsichtlich der großen Aufgaben, die in Ansehung eines neuen Zeitalters an uns gestellt werden. Wir wissen ja, daß das Judentum von dem großen Umschwünge, der in unserem Jahrhunderte sich vollzogen hat, nicht unberührt bleiben konnte, daß ein mächtiger Fortschritt auf allen Gebieten menschlichen Wissens und Strebens sich vollzogen hat und die ganze Stellung Israels, seine Beziehung zur übrigen Menschheit, seine Denkweise und Lebensrichtung gegen früher sich völlig geändert hat? Kann heute das Judentum in seiner alten Form, die mit der Anschauung früherer Jahrhunderte

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