Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrem Orte sein, allein dies nur beiläufig. Es ist heute nicht der Inhalt dieser Vorschrift, sondern die Art, in der sie uns mitgeteilt wird, worauf den früheren Aus« führungen gemäß sich unsere Betrachtung hinlenken soll. Sie wird nämlich zu einem Zeitereignisse in Beziehung gebracht, durch welches sie veranlaßt wurde Und es wird ausdrücklich bemerkt, daß der Tod der Söhne Aarons die Einführung von Gesetzen hervorgerufen hat, welche früher nicht bestanden haben. Die Geltungskrast dieser Gesetze würde keine geringere geworden sein, wenn der Grund ihrer Entstehung verschwiegen und ohne Weiteres anbefohlen worden wäre, daß sich die Priester so zu verhalten haben, wie es der Wortlaut des Gesetzes gebietet. Wer durch ein Gebot sich verpflichtet fühlt, der hat es einfach zu befolgen und nicht erst nach seiner Einsetzung zu fragen, aber es soll eben die sonst so belanglos erscheinende Bemerkung,, daß erst nach dem Tode und in Folge des Todes der beiden Söhne Aarons jene Vorschriften gegeben wurden, uns daran erinnern, daß dieselben damals zeitgemäß waren und daß es unthunlich sei, den Ereignissen und Erfahrungen der Zeiten ihren berechtigten Einfluß auf die Gestaltung und Fortentwicklung des gottesdienstlichen Lebens versagen zu wollen. Das Zeitgemäße ist auf dem Gebiete der Religion durchaus nicht ausgeschlossen, im Gegenteile, ist es unsere ernste Aufgabe und heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß das Judentum auf dem Boden einer neuen Zeit auch zu neuer Blüte gelange, daß mit der fortschreitenden Geistesentwicklung der Menschheit auch das innere Geistesleben Israels einen höheren Aufschwung nehme und die Religion in geläuterter Gestalt uns veranschaulicht werde, damit sie uns nicht veraltet und fremdartig vorkomme, nie aufhöre, ihren veredelnden Einfluß auf unser Herz auszuüben und unseren Geist mit der Anschauung des Göttlichen, zu erfüllen. Die Thatsache, daß in der Tora die Lehre und Geschichte Israels in fortwährende Beziehung zu einander gesetzt werden, der Aufbau ihrer Gesetzgebung allmählig mit den fortschreitenden Ereignissen sich vollzieht und dem Leben, dadurch die Religion seine innere Heiligung erlangen soll, derjenige Einfluß auf ihre Gestaltung zugestanden wird, durch welchen es in einen wirklichen Zusammenhang mit dem Göttlichen gebracht wird, diese Thatsache ist von einer solch tiefgehenden« ja grundlegenden und unvergänglichen Bedeutung, daß wir, so es uns ernstlich darum zu thun ist, den religiösen Geist in unseren Heiden lebendig zu erhalten und auf dem Boden unserer Lehre heimisch zu bleiben, in keiner Hinsicht über sie hinwegsehen dürfen. Sie ist der Schlüssel unserer Geschichte, jenes großen Rätsels der Jahrtausende, auf welches wir selbst, denen ja sein Geheimnis doch klar fei« sollte, nicht ohne ein Gefühl des Erstaunens Hinblicken können. Wie nämlich schon von allem Anfang an die Lehre Israels allmählig unter fortwährender sorgfältig Bedachtname auf die thatsächlichen Erfordernisse und wirklichen Verhältnisse des Lebens sich gestaltet, dasselbe leitend und beherrschend umfaßt, aber dennoch sich nie in unversöhnlichen Widerspruch zu ihm stellt und sich dadurch ihm entfremdet« so hat sie eine Pflanze, die auf jedem Boden und unter jedem Himmelsstriche