Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 in der Tora das Licht der göttlichen Weisheit erstrahlt, vor dessen erhellendem Glanze in den Geistern die finsteren Schatten des Wahnes und der Bosheit entschwinden, so reihen in ihr auch verschiedene Bilder menschlichen Thuns sich aneinander, die uns zeigen, wie auch unser eigenes Streben und Schaffen jener Erkenntnis nicht entbehren könne, die auf die höchsten Ziele unserer Bestimmung hinweist. Das Judentum kennt keine Geschiedenheit zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen, es duldet keinen Gegensatz zwischen der Lehre und dem Leben, es soll die Anschauung, die wir durch richtige Einsicht und volle Erfassung der Wahrheit erlangt haben, nicht in Widerspruch stehen zu den Mahnungen und Vorschriften, die im Namen der Religion uns verkündet werden und rein und innig und aufrichtig soll unsere Gottesverehrung sein, nicht unserem Bewußtsein fremd und ohne jede Beziehung auf das Herz, ohne jede Anknüpfung an das wirkliche . Leben. Die Tora verbindet daher die Verkündigung ihrer Gesetze und Lehren gar oft mit der Erzählung und Darlegung der Thatsachen, durch welche dieselben hervorgerufen wurden und will uns damit den gegenseitigen Einfluß der Geschichte und der Religion, der Lehre und des Lebens erkennen lassen und zu verstehen geben, daß nur aus dem Zusammenhänge beider, aus der Wechselwirkung, die zwischen ihnen besteht, dem Judentume jene innere Lebendigkeit erwächst, durch welche es, wie auch immer die Zeiten sich ändern mögen, doch stets seine Bestandfähigkeit erhält und unseren Herzen eine unerschöpfliche Quelle des Heiles und der Beseitigung bleibt. Einer solchen Gesetz mit Geschichte verbindenden, gottesdienstlichen Lehre, aus der Erfahrung des Lebens sich herleitenden Verkündigung begegnen wir auch in der Erzählung von dem Tode der beiden Söhne Aarons. Es war nach dem Tode derselben, heißt es da in der Tora, die gar zu nahe herangetreten, fremdes Feuer in das göttliche Heiligtum hineingebracht und dabei umkamen, da ward an Mosen das Wort des Herrn : Sprich zu deinem Bruder Aaron, daß auch die Priester nicht immer in dem Hause Gottes erscheinen, nicht zu jeder Zeit in das Innerste des Heiligtums eintreten dürfen, da sie sonst gleich Nadab und Abihu durch den Tod dahingerafft würden, denn da wo Gott in seiner Herrlichkeit sich offenbaren will, da soll der Mensch nicht mit seinem unbeschränkten Eigenwillen sich vordrängen wollen. Es giebt diese Vorschrift schon an und für sich Uns viel zu denken, denn, wenn auch Stiftszelt und Priesterdienst nur dem altisraelitischen Religionsleben angehörten, ist die Lehre, daß das Andachtshaus der Gemeinde eine -gottgeweihte Stätte ist und der menschliche Dünkel und Hochmut da keinen Zutritt finden darf, eine solche, die für Israel noch lange nicht überflüssig geworden. Man kommt zwar nicht zu jeder Zeit, ja eigentlich gar nicht in das Heiligtum, ist man aber einmal da, da ist oft etwas auszuführen, was mehr zur Selbstverherrlichung als zur Gottesverehrung gehört. Jnsoferne es also darauf ankäme, Bescheidenheit z« lernen und Anstand an geweihter Stätte und Ehrfurcht vor dem Göttlichen, würde die Erinnerung an jene alte Gesetzesvorschrift auch heutzutage noch ganz an