Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969908--6219-2975550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 der verschiedenen Confessionen überlassen bleiben. Der traditionelle Glaube ist eine Atags des Gewissens. Jeder Gläubige läßt die Tradition zu, in der er erzogen Worden ist. aber man muß auch alle anderen respektieren. Fern sei es von mir, dke religiösen Ansichten anderer antasten zu wollen! Aber ich möchte auch nicht Estmal, daß man mein Stillschweigen als einen indirekten oder unausgesprochenen Wgriff gegen die Überlieferungen betrachten könnte, von denen ich einige selbst an- Wme< während die anderen für mich stets der Gegenstand frommer Achtung sein werden." ■ ' Die letzte Arbeit, die Munk veröffentlichte, war der „Bericht über die Fortschritte der semitischen Studien in Frankreich von 1844—66." Leider lebte Ar Verfasser nicht lange genug, um die letzte Hand an seine Arbeit zu legen, die Hür die Weltausstellung von 1867 geschrieben war. „Am 5 Februar 1867, gegen Abend", erzählt Herr Schwab, einige Stunden, nachdem er von seinem Lehrstuhl M College de France herabgestiegen war, fand bei ihm eine Sitzung des israelitischen Eenkralconsistoriums statt. Im Verlaufe dieser Sitzung sprach er mehr und leb- After als gewöhnlich. Aber kaum hatten seine College» das Haus verlassen, als Munk von einem Schlaganfall getroffen wurde, infolge dessen er noch in derselben Rächt nach einem kurzen Todeskampfe verschied. „Der gelehrte Übersetzer des Mäimonides," schrieb Eduard Laboulaye, ^dieser wunderbare Blinde, der die Bibel auswendig wußte, und der das Buch, das Kapitel und den Vers angeben konnte, wo dieses oder jenes Wort in diesem oder jenem Sinne vorkam, — Munk sammelte nämlich die alten von spanischen Huden geschriebenen Bücher — er wußte alles; aber noch bewundernswerter als Hme Gelehrsamkeit war die heitere Ruhe seines Geistes und die Güte seines Herzens. Er war gleichzeitig eine Zierde der Wissenschaft und eine Zierde seines Volkes. Niemand hat in unseren Tagen' mehr dazu gethan, Israels Namen zu erhöhen. , . Dies ist, mit wenigen Strichen skizziert, das Leben dieses großen Gelehrten und dieses guten Juden. Diese Skizze ist sehr klein im Vergleich zu der glühenden, warmen Lebensbeschreibung, die Herr Schwab geschrieben hat, und auf die wir unsere Leser aufmerksam machen wollen. Wir wollen aber doch nicht verfehlen, wenigstens einen von Ntunk's Briefen zu zitieren, in dem sich seine Sorge M die socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen zu erkennen giebt. Aus Rom schreibt er an seine Mutter. Rom, 26. November 1840. Meine liebe Mutter! Wie ich Dir in meinem Briefe von Malta schon andeutete, habe ich von Citta Vecchia aus einen Abstecher nach Rom gemacht, um mir auf der Durchreise ' diese berühmte Stadt anzusehen. Um aber die unzähligen Kunstdenkmäler, die sich hier angesammelt haben, im Einzelnen zu betrachten, würde ein ganzes Jahr kaum