Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfluß auf die Gesetzgebung in Betreff der Juden, denn in der That wurden die--' anni discretionis von der Kaiserin Maria Theresia (15. Februar 1765) mit der Vollendung des siebenten Jahres festgesetzt. Nachdem die Kaiserin gestorben war,) baten die Juden in Böhmen bei ihrem Nachfolger Kaiser Josef II. unter anderem , darum, die Vernnnstjahre mit der Vollendung des 24. Lebensjahres festzusetzen, da) auch eine Novize das Ordensgelübde erst nach vollendetein 24. Jahre ablegen könne. Die Hofkanzlei, welche dieses Gesuch zur Begutachtung bekam, erstattete am 11. März 1782 Vortrag. Die Majorität der Stimmen sprach sich für die Vollendung des 18. Jahres aus und wurde dem Kaiser auch demgemäß Bericht erstattet. In der Resolution, in der sich der Kaiser dem Votum der Majorität anschloß, heißt es: „weil es de^ Religion an guten Christen, nicht aber an getauften Juden gelegen ist." In diesem Zusammenhang sei an ent „Ereignis" erinnert, welches sich bei der ersten Aufführung von Mozart's „Zauberflöte" iw Prag (1795) zutrug und die Gemüter der Bewohner der Moldausladt viele Wochen hindurch derart beschäftigte, daß selbst die „Prager Neue Zeitung" dem' allgemeinen Staunen in ihren Spalten Ausdruck zu verleihen veranlaßt wurde. Das sensationelle Ereignis bestand darin, daß ein — Jude als Sänger des-, Sarastro auftrat. Die „Pr. N. Ztg." begleitete nun diesen Vorfall mit folgenden Worten: Am 10. v. ward hier das bekannte Stück „Die Zauberflöte" gegeben. Ich eilte in's Theater, und — wie erstaunte ich nicht — als ich in der Person des Sarastro einen wohlgestalteten jungen Mann mit einer einnehmendes Stimme, erblickte, von dem man mir sagte, daß er ein Israelit — ja, ein Israelit sek. Er erschrak anfänglich, als er auf der Bühne erschien, ein Beweis, daß er ein Mensch sei, den Natur, um ihre Rechte zu beweisen, an seine Schwäche erinnerte. Das Publikum, so dies merkte, klatschte, um ihm Mut einzuflößen Beifall zu Und) erreichte seinen Zweck; denn er sang und sprach nachher wiederholt mit wahrer Anmut und Würde. Ich lauerte auf's Ende, und man rief und klatschte ihn mit Beifall heraus. Kurz, ich fand das hiesige Publikum anders, als man es uns schilderte, fand, daß es selbst an Israeliten Anlagen und Verdienste zu befördern, weiß und nur vielleicht gegen jene anders gesinnt ist, wider welche es vielleicht ,', gerechte Klage führt. Hartung, so ist der Name dieses Israeliten, wird nächstens in anderen Rollen auftreten und den erhaltenen Beifall noch mehr zu rechtfertigen suchen," Salomon Wunk. Kein Gelehrter hat in diesem Jahrhundert das französische Judentum sosehr verherrlicht, wie Solomon Munk. Herr Moses Schwab, sein Sekretär,, hat vor kurzem eine fesselnde Biographie Munks geschrieben.*) Wir ergreifen die *) Salomo« Mu»k, sa yie & ses oeuvres, par M. Schwab, chez Ernst Lero«; 236 Seiten- -