Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969908--6210-2975541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11 „Pia deslderfa/4 Aus einem Aufsatze von Jda Barber. Neun Zehntel unserer Söhne und Töchter besuchen an " den hohen Feier» tagen kein Gotteshaus; sie öffnen kein Gebetbuch, wollen es nicht verstehen, I die Eltern im Tempel Erbauung und Andacht finden können. Die Gebete s ihnen veraltet, die Predigten langweilig, nicht dem Zeitgeiste entsprechend; kW Gott, zu dem wir in unserer Jugend mit Andacht aufschauten, dem wir unseres' Herzens geheimstes Fühlen und Sehnen anvertrauten und von dem wir ErhönttiM unserer Bitten erflehten, ist ihnen weltenfernt, er existiert einfach nicht für ffe? „Weshalb also," sagen sie, „zu ihm beten? Weshalb ihn anrufen? Er hört^ uns nicht! Verschont uns mit eurem frommen Selbstbetrug!" So lange die junges Leute auf der Sonnenhöhe des Lebens stehen, fehlt ihnen thatsächlich der alte nicht, der uns so oft in ernsten Lebenstagen die Kraft gab, dem Schicksal unenj^i wegt die Stirne zu bieten. Wie aber, wenn auch sie dereinst, auf schwankendes Schiffe, stehend, ohne Anker in Gott geworfen zu haben, in des Lebens Brandung^ untergehen fürchten? Wird ihnen dann ihre unreligiöse Richtung Trost bietenM Wird sich nicht doch der millionenmal gehörte Ruf: „Gott hilf!" dem geprsßteH Herzen entringen? Wohl denen, die dann gelernt haben, zu beten! Sie werdet sehen, daß im Gebet Trost, Stärkung, eine Kraftfülle liegt, die zu allem Guten^ befähigt. Also warum kann unsere Jugend nicht beten? Die Gebete sind veraltet, in einer Sprache gehalten, an der die modernes Jugend keinen Gefallen findet. Die Lehrer haben es leider Gottes nicht verstanden, in ihnen das VerstäyW nis für die poetischen Schönheiten, die Symbolik, den Ideenreichtum - der altenS Gebete zu wecken; das Hebräische ist ihnen — obgleich es in den Schulen 4. bis Jahre lang gelehrt wurde — fremd, die Übersetzung der Gebete eine mangelhaftes Wo sind die Lehrer, die gottbegeistert wie die Propheten di« Herzens der Jugend für die Ideale echter Religion erschlossen? Ich entsinne mich meiner Kindheit, daß wir gebannt an den Lippen unserer Religionslehrer hinH«W ihrem Bortrage mit Andacht lauschten, die die heutige Jugend nie gekannt, das^A wenn die Stunde zu Ende, stets der Wunsch rege war, der Lehrer möge weiter sprechen, belehren, anregen. Geist, Herz, Gemüt waren im Banne seiueM Worte den Idealen zugewendet, allem Materiellem entrückt. Unsere nur zu materiell gesinnte Jugend hat leider keine gottbegeistertetz^ Lehrer. Der so uninteressant wie möglich docirte Lehrstoff wird eingepaukt, dadurch noch uninteressanter gemacht. Wie viele Schüler, die im Hebräischen nii genügen und dadurch am Aufsteigen in eine höhere Klasse gehindert werden, erkliireW sich mit Einwilligung der Eltern — konfessionslos? Man frage nur in &tä$J Gymnasien nach, wie viele solcher dem Judentum abgewendeten jungen Leut« a»W