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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-01-01 · Heft 1 (1.1.1901) · p. Seite 10

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 1 (1.1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 A der Eivilisation, als es auf unserer Insel noch so wild herging, wie jetzt in Guinea, als man in Athen Kunst und Wissenschaft noch nicht kannte, als kaum nock eine / -strohbedachte Hütte an der Stelle des heutigen Roms stand, dieses fo. hart an- ^geklagte Volk schon seine befestigten Städte, seine aus CederN errichteten Paläste, seine prachtvollen Tempel, seine Flotten, seine Handelsschiffe, Schulen der Gottes- F^jelehrtheit, große Staatsmänner und Generale, seine Philosophen, Geschichtsschreiber ^«kld Dichter hatte. Welches Volk kämpfte mannhafter für seine Unabhängigkeit Drttnd seine Religion gegen eine erdrückende Überzahl'? Welches Volk gab bis zum lichten Augenblick seines Daseins so sichtbare Beweise dessen, was eine edle Ver- ^.Meistüng > zu thun vermag? Und wenn im Laufe der Jahrhunderte die unter* jochten Nachkommen von Helden und Weisen nicht mehr auf der Höhe ihrer Vorf ‘ eltern stehen, wenn, während sie ausgeschlossen waren von den Segnungen des ^Gesetzes, gebeugt unter das Joch der Sklaverei, einige der Laster von Sklaven und ( Rechtlosen bei denselben sich ausgebildet haben, sollen wir ihnen darüber Vorwürfe ( Machen? Sollten wir das nicht vielmehr als eine Schande für uns betrachten und darüber Gewissensbisse empfinden? Gewähren wir ihnen Gerechtigkeit, öffnen wir ihnen die Pforte dieses Hauses, eröffnen wir ihnen eine jegliche Laufbahn, in svelcher man Geschicklichkeit und Geisteskraft zu entfalten im Stande ist! Bis wir has gethan haben, dürfen wir nicht sagen, daß kein Genie unter den Nachkommen es Jesaias, kein Heldenmut unter den Söhnen der Maccabäer sich findet. Ich bin der festen Überzeugung, daß, indem ich den Antrag meines ehren- % teerten Freundes unterstütze, ich zugleich die Ehre und die Interessen der christlichen Religion wahre. Ich glaube, diese Religion zu beschimpfen, wenn ich aussprechen | wollte, daß sie nicht ohne intolerante Gesetze bestehen könne. Sie ward ohne solche ^. Gesetze gegründet und kann sich ohne solche behaupten. Sie siegte über den Aber* Lglauben der gebildetsten» wie der rohesten Völker, über die anmutige Götterlehre (Uder Griechen, wie über den blutigen Götzendienst der nordischen Wälder; sie trium* ' phirte über die Macht und die Staatskunst des römischen Reiches und zähmte die Barbaren, welche dieses Reich zerstörten. Aber alle diese Siege sind nicht mit den ' Waffen der Unduldsamkeit erfochten worden, sondern trotz derselben. Die Geschichte ' des Christentums bezeugt, daß es Verfolgung nie als Feind, wohl aber als ^Bundesgenossen zu fürchten hatte. Möge es noch lange fortfahren, seinen wohl- Gütigen Einfluß auf dieses Land zu üben, stark durch seine' erhabenen Lehren, sta^ ' hurch feine reine Moral, stark durch die ihm innewohnende Beweiskraft, welcher; die besten Geister sich unterwarfen, als letzter Trost denen, welchen jegliche irdische Hoffnung geschwunden, als letzte Schranke für die, welche jeder irdischen Furcht sich Merhoben wähnen. Wir aber wollen nicht, dessen Charakter und Zwecke verkennend, Wahrheit durch Irrtum stützen, mittelst Unterdrückung Andersglaubender Pe Religion aufrecht erhalten, welche der Welt zuerst die heilige Lkhre der all- WNleinen Menschenliebe verkündete.

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