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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-01-01 · Heft 1 (1.1.1901) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 1 (1.1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— 5 — Jude darf nicht im Parlament sitzen, aber er darf Eigentümer aller 10 Pfund Miete bezahlenden Häuser der Stadt sein, *) er mag mehr SO-Pfund Mieter haben, als irgend ein Pair des Königreichs, er mag den Wählern Mahlzeiteü veranstalten/ um ihre Gaumen zu befriedigen, und Zigeunerbanden in Sold nehmen, die ihnen die Schädel einschlagen, gerade so, als ob er Christ oder Marquis wäre. Der Rest des ganzen Systems ist dem Angeführten gleich. Der Jude kann Geschworener, aber nicht Richter sein. Er kann über das Thatsächliche entscheiden, aber nicht über die Gesetzesanwendung. Er kann 100,000 Pfund Entschädigung zusprechen, aber über den geringsten Gegenstand kann er ein neues Verfahren nicht gewähren. Er mag den Geldmarkt beherrschen, er mag die Course. beeinflussen, er kann zu - Congressen von Kaiser» und Königen berufen werden. Große Potentaten, statt durch Knebeln und Zahnausbrechen ein Anlehen zu erpressen, mögen mit ihm als Ihresgleichen unterhandeln und eine Kriegserklärung oder' Vertragsunterzeichnung verschieben, bis sie mit ihm sich geeinigt haben. Alles das ist, wie es sein sollte, aber Mitglied des Geheimen Rates darf der Jude nicht werden, er darf nicht den, ■ Titel „Sehr ehrenwert" (right honourable) führen, denn das ist ja politische Macht. Und wen wollen wir denn in dieser Weise hintergehen? Eigentlich nur den Allwissenden! Ja, es ist uns allen Ernstes gesagt worden, daß die Juden dem göttlichen Zorn verfallen sind und daß, wenn wir ihnen politische Macht ge«, währten, Gott uns dafür strafen würde. Glauben wir denn, daß Gott nicht zu unterscheiden weiß zwischen Wirklichkeit und Schein? Weiß er denn nicht, daß, - wenn wir den Juden den Schein und den Namen politischer Macht vorenthalten, wir ihnen den Besitz wirklich politischer Macht gewähren? Die Wahrheit ist, daß meines ehrenwerten Freundes Ansichten ihn nach einer Richtung ziehen und sein - vortreffliches Herz nach einer anderen. Er schwankt zwischen zwei Meinungen. Er sucht eine Vermittlung zwischen Grundsätzen, die eine solche Vermittlung nicht - zulassen. Er schlägt eine Weile den Weg der Unduldsamkeit ein, dann bleibt er; stehen, ohne einen Grund dafür angeben zu können. Aber ich kenne diesen Grund: er ist seine Humanität. Diejenigen, die in früheren Zeiten Juden an den Schweif ‘ eines Pferdes banden und ihnen den Bart mit brennenden Ginsterbündeln sengten, waren schlechtere Menschen, als mein ehrenwerter Freund, aber sie dachten folgst.' richtiger als er. Es ist gesagt worden, daß es ungeheuerlich sei, wenn ein Jude als Richter wegen Gotteslästerung fungiere. Meine Meinung ist, daß es ungeheuerlich ist für- : irgend jemanden, bei dem heutigen Stand der Gesetzgebung als Richter über Fälle von Gotteslästerung zu entscheiden. Wären aber die Gesetze über diese Materie ’ vernünftig, so sehe ich nicht ein, warum ein gewissenhafter Jude nicht sollte über .; solche Fälle entscheiden können. Ich halte dafür, daß es jedem »»verwehrt sein" *) Im Jahre 1833 besaß Jeder, der 10 Pfund Miete zahlte, das Wahlrecht.

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