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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-01-01 · Heft 1 (1.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 1 (1.1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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rösten motten, und wenn nicht, so sage er uns warum, und ich will ihm beweisen, daß seine Gründe gerade so stichhaltig sind gegen die Intoleranz, die er pflichtgemäß erachtet, als gegen diejenige, welche 'er verbrecherisch nennt. Halten wir es einmal für zulässig, einen Menschen zu peinigen, weil er mit uns nicht in gleicher Religion ist, wo werden wir stehen bleiben? Warum bei dem Punkte, den mein ehrenwerter Freund festsetzt und nicht bei dem von dem Mitgliede für Oldham (Mr. Cobbet) bezeichneten, der Juden für unbefähigt hält, Land zu besitzen? Und warum da und nicht bei dem eines spanischen Inquisitors des sechszehnten Jahrhunderts? Hat man erst den Weg der Verfolgung betreten, so ist nicht abzusehen, wo die Grenze ist, an der man einhalten sott. Wenn mein ehrenwerter Freund den Juden die Befähigung zuspricht, Land zu besitzen und zwar in der unbeschränktesten Weise, ihnen hingegen nicht die geringste politische Macht einräumen will, sö ist das ein Widerspruch. Besitz.ist Macht. Das ehrenwerte Mitglied für Oldham urteilt folgerichtiger als er. Jener sieht ein, daß man einem Mann politische Macht nicht absprechen kann, der Eigentümer einer halben Grafschaft ist. Äher auch das ehrenwerte Mitglied für Oldham geht nicht weit genug. Er hat nicht die Confiscation ihres Personalvermögeus beantragt und doch ist es gewiß, daß ein Jude, der eine halbe Million hat, eine wichtige Rolle im Staate spielen kann. Durch solche Schritte kommen wir von politischer Macht auf die Landbesitzfrage, von da zum persönlichen Eigentum und endlich zur Freiheit und zum Leben. In Wahrheit haben diejenigen, welche Martern und Scheiterhaufen anwenden möchten, manches für sich anzuführen.' Sie sind überzeugt, daß ihr Zweck ein löblicher sei und man muß ihnen zugestehen, daß sie Mittel gebrauchen, die diesen Zweck wahrscheinlicher Weise erreichen. Oft schon hat blutige Verfolgung religiöse Abweichungen niedergeworfen. So wurden die Albingenser vernichtet. In dieser Weise wurde der Protestantismus in Spanien und Italien ausgerottet, in welchen Ländern er sich nie wieder erheben konnte, aber ich fordere jeden auf, mir ein Beispiel zu zeigen, daß Einschränkungen, wie diejenigen, über Kelche wir gegenwärtig beraten, eine andere Wirkung hatten, als die darunter Leidenden zu erbittern und in ihrem Eigensinn zu bestärken. Mein ehrenwerter Freund sollte entweder wirksam verfolgen oder gar nicht. Er giebt nicht zu, ich weiß es, daß wir die Juden verfolgen und kann selbst das Wort Verfolgung nicht hören, und doch bin ich gewiß, daß er eher drei Monate Gefängnis erdulden und eine Buße von 100 Pfund bezahlen würde, als sich den Beschränkungen unterwerfen, unter welchen die Juden jetzt leiden. Wie kann er dennoch sagen, daß jene -Beschränkungen nicht als eine Verfolgung, Buße und Haft als solche anzusehen seien? Seine Folgerungen sind willkürlich gezogene Linien. Rechtsbeschränkunge». die er aufzuerlegen wünscht, sind keine Verfolgungen, die er nicht wünscht, sind nach ihm als solche zu betrachten. Was er den Juden entzieht, nennt er politische Macht, was er so gutmütig ist, ihnen zu lassen, will er nicht so nennen. Der

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