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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 287

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 287 (sequence 23)
Language
German
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287 auswärtigen Corporativuen viele Sympathie- und Ehrenbezeugungen zugedacht wurden. — Gräfin Louise Taafe, Tochter des verstorbenen Ministerpräsidenten Grafen Eduard Taafe, hat sich mit dem Arzt Dr. Jakob Feldmann in Kaschau verlobt. Aus der Vorgeschichte dieser Verlobung werden nachstehende Details bekannt: Seit einigen Jahren practizirt in Kaschau der junge Arzt Dr. Jakob Feldmann. Den Sommer pflegte der Arzt in Karlsbad zu verbringen, wo er auch ordinirte. Im verflossenen Sommer gehörte zu seinen Patientinnen in Karlsbad auch die zweiundzwanzigjährige Comtesse Louise Taafe. Die Gräfin verliebte sich in den Arzt und dieser in die Gräfin. Letzterer ließ aber nichts merken. Das Einzige, was er sich erlaubte, war, daß er der jungen Comtesse täglich ein Blnmenbonquet sandte. Eines Tages begegnete sich das Paar im Parke. Dr. Feldmann trat auf die Gräfin zu und küßte ihr die Hand, worauf sie sagte: „Ich habe Sie verstanden!" Dann ging sie nach Hause und schrieb an ihre Jugendfreundin, die Fürstin von Hohenberg, Gemahlin des Erzherzogs Franz Ferdinand, einen Brief, in welchem sie der Fürstin von ihrer Liebe mitteilte, ihr aber auch den Umstand nicht verschwieg, daß der Erwählte ihres Herzens ein Jude sei. Sie bat um den Rat der Jugendfreundin. Die Antwort traf bald ein und gipfelte in dem Satz: „Eine Gräfin Taafe steht so hoch, daß sie sich um Vorurteile nicht zu kümmern braucht und dem Zuge ihres Herzens folgen kann." Gräfin Taafe sendete dieses Schreiben sofort an Dr. Feldmann in Kaschau, und heute ist sie die glückliche Brautdes jüdischen Arztes.—DerTempel inKojetein hatte amVersöhnungstagejnteressante Gäste, Mathias Macek, Landwirt aus Nezamislitz und seinen Bruder aus Tiscin. Dieselben wollen zum Judentuin übertreten, gehören resp. einer Sekte an, die nach jüdischem Ritus lebt- Die beiden waren den ganzen Tag im Tempel und fasteten und beteten aus jüdisch-böhmischen Gebetbüchern. Die wichtigsten Gebete hatten sie auf Pergamentstreifen ausgeschrieben. — In Paris ist ein Kreis für das Judentum warmfühlender Männer zu einer Vereinigung „L’Union liberale israelite” zusammengetreten mit der Aufgabe, für Reform im Judentume einzutreten und hat derselbe seinen Gesinnungen in einem an die Gemeindemitglieder versandten Programme Ausdruck gegeben. Besonders sind es der Religionsunterricht und Gottesdienst, deren Reform in Angriff genommen iverden soll. Was die Reform in Deutschland schon längst erreicht, die Streichung mit unseren Ansichten nicht übereinstimmender Gebete, wird verlangt und der ausschließliche Gebrauch des Hebräischen als Gebetssprache beklagt. Die allzulange Dauer des Gottesdienstes, welche auf die Andacht eine nachteilige Wirkung ausübt, soll beseitigt werden. Die Wünsche in Bezug auf den Cultus werden in dey 5 folgenden Punkten zusammengefaßt: 1. daß mit Ausnahme des Sch'mah- und Kaddischgebetes alle Gebete ins Französische übersetzt werden; 2. daß alle diejenigen Gebete, deren Inhalt nicht mehr mit unseren Ansichten in Einklang steht, gestrichen werden; 3. daß der Gottesdienst von kürzerer Dauer sein möge; 4. daß die Predigt den Schwerpunkt des Gottesdienstes

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