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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 285

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 285 (sequence 21)
Language
German
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285 nicht zu erwarten ist. — Der verstorbene Bankier Sigmund Ueullädter in München hat in seinem Testamente 100000 Mark zu einer Stiftung ausgesetzt, die den Namen Rosa und Siegmund Neustädter'sche Stiftung führen soll, und deren Renten dazu verwendet werden sotten, arme und würdige weibliche Patienten der städtischen Krankenhäuser, die dort Operationen zu bestehen hatten, zu unterstützen und insbesondere die Mittel zur Gesundung zu gewähren. Bei Verteilung der Renten sott die Konfession ganz außer Betracht bleiben. — Dem an Stelle des verstorbenen Herrn Charles Oppenheimer zum Königlich Großbritannischen Generalkonsul für das Großherzogtum Hessen ernannten Herrn Francis Oppenheimer in Frankfurt a. M. ist namens des Reiches Exequatur erteilt worden. — Man berichtet: In Elberfeld wurde die dieswinterliche Saison des Mendelssohn-Vereins von seinem stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Wehstein mit einer schwungvollen Ansprache eröffnet. Der Redner des Abends war Herr Dr. med. Ruff aus Karlsbad; das Thema seines Vortrags lautete: „Freud und Leid im jüdischen Hause." — Zu der Mitteilung, daß in einem Elsässischen Städtchen die Glocken auch beim Begräbnis einer Jüdin geläutet wurden, schreibt eine Leserin aus Weilburg: Das ist für uns hier nichts Außergewöhnliches, denn hier läuten die Totenglocken der evangelischen Kirche bei jeder Beerdigung eines jüdischen Mitbürgers. Außerdem besitzen alle Konfessionen einen gemeinsamen Leichenwagen. — Mit dem Schluffe des verflossenen Semesters hat die Israelitische Gemeindeschule in Wandsbek zu bestehen aufgehört, und der Leiter und Lehrer derselben, Herr Dr. Hauover, welcher zugleich „Geistlicher der Wandsbecker jüdischen Gemeinde" ist und bleibt, ist als Lehrer nach 36jähriger Thätigkeit in Pension gegangen. — Auf der Obstausstellung in Bremen erhielt die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover die drei erste Preise, und zwar: 1. für die beste Sammlung von hochstämmigen Obstbäumen, 2. für die beste Sammlung gut gezogener Zwergobstbäume und 3. für die beste und zweckmäßigste Vorführung von Obstbäuinen und Fruchtsträuchern. — In Kerlin starb Frau Nina Auerbach, die Wittwe Berthold Auerbachs, eine Schwester von Hieronymus Lorm, iiu 76. Lebensjahre. — Der Bildhauer Hugo Kemhold, ein vortrefflicher Mensch und ein trefflicher Künstler, ist in Kerlin in jungen Jahren gestorben. Die Nationalgalerie hat sein Andenken durch einen Lorbeerkranz mit schwarzer Schleife geehrt, der an dem in der Skulpturenhalle befindlichen reifsten Werk des Künstlers „Am Weg" niedergelegt wurde. — Ferdinand Lasalle, der Begründer der modernen socialdemokratischen Partei, äußert sich in seinen Tagebüchern über die Judenfrage wie folgt: „ ... Ich glaube, ich bin einer der besten Juden, die es giebt, ohne auf das Ceremonialgesetz zu achten. Ich könnte, wie jener Jude in Bulwer's „Leila", mein Leben wagen, um die Juden aus ihrer jetzigen drückenden Lage zu reißen. Ich würde selbst das Schaffot nicht scheuen, könnte ich sie wieder zu einem geachteten Volke machen. O, wenn ich meinen kindlichen Träumen nachhänge, so ist es immer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Juden mit den Waffen in der Hand sie

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