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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 280

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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280 Milchprodukten, obwohl ganz fromme Juden auch hier gewisse Grenzen zogen. Es ist begreiflich, daß den Juden auf Reisen die Ernährung außerordentliche Schwierigkeiten bereiten mußte, ganz besonders in kleinen Städten. Man kann sich denken, wie sie sich nach Hause sehnten. Wer möchte bezweifeln, daß dies sehr viel dazu beigetragen hat, die vielgerühmte jüdische Familien-Anhänglichkeit zu fördern? Und noch eine andere Tugend erzeugte die rituelle Küche: die Gastlichkeit. Der Fremde war am Sabbath und an den Festtagen fast ganz auf die Gnade der ansäßigen Glaubensgenossen angewiesen. Man lernte es als religiöse Pflicht und als nobile officium ansehen, an solchen Tagen Fremde einzuladcn. Es ist durchaus nichts Seltenes, daß dort, wo sich bei den Juden noch altreligiöse Sitten erhalten haben, der routinirte Schnorrer, oft „schrecklich zu schauen" an der üppigen Festtafel mit der Familie des jüdischen „Magnaten" speist. Der Schnorrer muß schon außerordentlich wenig conrfähig, der Magnat schon ein hyperzivilisierter Snob sein, wenn ein Zusammenspeisen nicht stattfindet. Eine sehr ernste Folge der Speisegesetze war die durch sie bedingte Abschließung der Juden. Wenn man bedenkt, daß sehr viele Juden nicht einmal bei den eigenen Kindern speisen, wenn diese hinsichtlich der Speisegesetze schlaffer» Grundsätzen huldigen, dann kann man sich leicht vorstellen, wie ängstlich sie sich bei Andersgläubigen von Speise und Trank fernhielten. Nun denke man sich einen weinfrohen Rheinländer, mit dem der jüdische Gast oder Kunde nicht eine Flasche Wein leeren, die Bürgersfrau, bei der die jüdische Nachbarin nicht eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen genießen will. Ein Zusammentafeln, ja auch nur ein gemütliches Zusammensein mit Juden war gradezu unmöglich. Die Juden mußten sich zurückziehen, und sie waren nach dem Satze: Wer sich in Einsamkeit begibt, ist bald allein, von allem Verkehr ausgeschlossen, auch wenn es keine mittelalterlichen Ghettos und modernen „judenreinen" Lokale gegeben hätte. Am allerschlimmsten vielleicht war die Wirkung auf das naive Volk. Der Bauer mußte den Kops schütteln, wenn der jüdische Händler alle ihm angebotenen Bauerngutsdelikatessen: ein Glas frische Milch, saure Milch, Käse, Schinken, Wurst rundweg ablehnte. Er mußte darin eine Beleidigung, ein Mißtrauen erblicken, sich gekränkt fühlen und dem „Mißtrauischen" seinerseits mißtrauen. Zweifellos ist ein gut Teil der überall verbreiteten Abneigung gegen die Juden auf die Sonderbarkeiten der jüdischen Speisegesetze zurückzuführen. Die Speisegesetze haben auch die jedenfalls nicht beabsichtigte Nebenwirkung gehabt, die tadle convenue von dem jüdischen Reichtum zu erzeugen. Gewiß gibt es sehr reiche Juden. Die Masse der Juden hingegen ist, wie im Grunde nur natürlich, arm. Das wird das Volk nie zugeben wollen. Denn — so wird die christliche Frau aus dem Volk sagen — man komme doch nur in eine jüdische Küche. Diese vielen Töpfe, Schüsseln, Teller, Löffel, Messer, Gabeln müssen doch gebraucht werden, also müssen die Juden viel zu schnabulieren haben. Die gute christliche Hausfrau weiß eben nicht, oder bedenkt

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