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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 278

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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278 die Gans auch, namentlich die Stopfgans, in der jüdischen Küche dieselbe Rolle wie das Schwein in der christlichen. Was Israel ohne die Gans geihan hätte, vermag keine Phantasie auszudenken. Die Gaus ist nicht nur Retterin des Capitols, sondern auch die Retterin der jüdischen Küche. Da Fleisch knapp und teuer ist, muß großer Wert auf Zu- und Vorspeisen gelegt werden. Früchte, Gemüse, Vegetabilien sind von den jüdischen Speisegesetzgebern schrankenlos freigegeben. Da aber auch diese noch verhültnisniäßig teuer sind, so werden Reis, Hirse, Graupe, Sago, Grieß und namentlich Mehlspeisen verschiedenster Art viel gekocht. Die Zerstreuung über alle Länder der Erde und die Wanderungen von Land zu Land haben das Aufhäufen von Küchenrecepten ungemein begünstigt. Zwiebel und Knoblauch sind spanische, orientalische und ivohl noch ägyptische Reminiscenzen. Wenigstens drücken nach dem biblischen Berichte die Juden in der Wüste ihre Sehnsucht wie nach den Fleischtöpfen so auch nach den Zwiebeln und nach dem Knoblauch Ägyptens aus. Der Jüdin ist es gradezu zur Pflicht gemacht, den Sabbath und die Festtage durch einen guten Tisch zu ehren. Am Sabbath sollen Fleisch, Fisch und Wein genossen werden. Da rituell gestatteter Wein, zumal von den ärinern Juden, nicht leicht bejct.asit werden kann, haben sie sich durch Herstellung von Rvsiuenwein zu helfen gewußt. Aber da sind wieder neue Beschränkungen, die neue Mittel zu ersinnen zwange». Am Sabbath darf nichts gekocht werden. Das Essen für den Freitagabend und für den ganzen Samstag mußte schon Freitag hergestellt werden. Für den Freitagabend konnte man sich noch leicht helfen. Das fertige Essen wurde in der Nähe des nicht ausgelöschten Herdseuers warm gehalten ooer in gewissen natürlichen Thermophoren ausbewahrt Für den Sabbath wurde das durch Heine klassisch gewordene Schalent erfunden und ebenso wie das Fleisch, die Kugel, eine fetttriefende süße Speise, ja der Kaffee zum Bäcker geschickt, der alles im heißen Backosen aufbewahrte, bis man es zu den verschiedenen Sabbathmalzeiten abholte. Der Versöhnungstag ist gleichzeitig ein sehr strenger Fast- und Festtag. Bolle 24 Stunden dürfen die Juden nichts essen und nicht einmal einen Schluck Wasser genießen und ebenso wenig am Herde hantieren. Nach 24stündigem Fasten aller, auch der weiblichen Mitglieder im Alter von mehr als 12 bis 18 Jahren, das Abendbrot, das obendrein ein feierliches sein soll, herzustellen, geht nicht gut au. Man kocht daher bereits den Tag vorher alles für den folgenden Abend und bereitet einige Gerichte soweit vor, daß sie in kürzester Zeit gekocht werden können, so Nudeln oder Eiergraupe, die den Tag vorher gebacken werden und am folgenden Abend nur auf wenige Minuten in kochendes Wasser geschüttet zu werden brauchen. Daß eine so eng begrenzte und streng geregelte Küche einen ganz außerordentlichen Einfluß auf Gesundheit, Sitte, Wirtschaftlichkeit, Gejellschaftsleben ausüben mußte, wird auch derjenige sich leicht vorstellen können, der die dem täglichen Augenschein widersprechende materialistische Lehre, daß der Mensch ist, was er ißt,

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