Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 277 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hören die Beschränkungen nicht auf. Die jüdische Hausfrau kann nicht in dem ersten besten Laden ein ihr zusagendes Stück Rind- oder Hammelfleisch, eine ihr preiswert erscheinende Gans, Ente, Taube kaufen und in ihrer Küche verwenden. Geflügel wie Schlachtvieh müssen nach der Vorschrift geschächtet sein. Das geschachtete Tier wird einer strengen Beschau unterworfen. Das einwandsfrei befundene Fleisch muß auch noch rituell behandelt, es muß ihm namentlich das Blut entzogen werden. Denn jeder Blutgenuß, gleichviel in welcher Form, ist „ein Greuel". Um so seltsamer ist es, daß gerade Juden, denen selbst der Genuß von Tierblut seit Jahrtausenden verboten ist, beschuldigt werden, sogar Menschenblut zu gebrauchen. Alles, was über Ritualmorde als religiös zulässig oder gar geboten gesagt wird, ist barer Unsinn. Ist das Fleisch so weit für die jüdische Küche reif, dann fangen erst die eigentümlichen Küchenschwienokeiten an. Zum Kochen oder Braten von Fleisch und aller zum Fleisch zu genießenden Gemüse, Vor- und Zuspeisen dürfen weder Butter noch Milch oder Sahne verwendet werden. Alle Fleischgerichte müsse» in besonderen, nur für diese bestimmten Küchengeräten aufbewahrt, gekocht und gebraten und auf besonderem Tafelgeschirr gespeist werden. Selbst Löffel, Messer und Gabel, die man für Fleisch und mit Schmalz (Gänseschmalz) oder Rindertalg znbereitete Speisen braucht, dürfen nicht für Speisen verwendet werden, die mit Milch und Butter hergestellt werden. Für das Osterfest sind noch wieder andere Einschränkungen vorhanden. Die Osterküche ist das wahre Kreuz der jüdischen Hausfrau, die für die acht Tage eine ganz andere Wirtschaft braucht und in der Hauptsache mit Osterbrot (Mazzes), Eiern, Fleisch und einer für das Osterfest hergestellten eigenartigen Suppe aus roten Rüben operieren muß. Daß eine so beschränkte Auswahl der jüdischen Hausfrau die Herstellung eines abwechslungsreichen Küchenzettels ungemein erschwert, wird jeder leicht begreifen. Weitere Beschränkungen stellen sie noch vor andere schwierige Aufgaben. Aber in der Beschränkung zeigt sich die Meisterin, und sie muß eben mit wenig auskommen. Die Not macht erfinderisch. Die erste Aufgabe der jüdischen Hausfrau ist, das Fleisch nach Möglichkeit auszuuutzen, nicht nur weil sie keine große Auswahl hat, sondern auch weil sie, zumal in kleinern Städten, sich es überhaupt nicht immer beschaffen kann, sowie auch weil das für sie verwendbare Fleisch verhältnismäßig teurer ist. Was, besonders in reichern Landesteilen, etwa in Rheinland und Westfalen, weggeworfen wird, das wird jn der jüdischen Küche noch vielfach zu Delikatessen verarbeitet. Was die Jüdin beispielsweise aus Milz und Därmen, beiläufig nach besonderer ritueller Behandlung, die in der Entfernung von Häuten und Adern besteht, aus dein Gänsehals herstellt, verdient die höchste Anerkennung. Den gefüllten Därmen ist noch kein genügendes Loblied gesungen worden, und der nach den mannigfachsten Recepten gefüllte Gäusehals wird bei richtiger Zubereitung selbst von sehr verwöhnten Feinschmeckern geschätzt. Das Gänseschmalz muß im jüdischen Haushalte drei Viertel der Aufgaben der Butter erfüllen. Darum spielt