Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 276 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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276 so giebt es keine rechte Menschenerkenntnis ohne Gotteserkenntnis. In der Bibel finden wir den lebendigen Gott in seiner vollen Wahrheit. Wir leugnen nicht, daß er in der Natur zu uns redet durch die Lilien auf dem Felde und durch die Vögel unter dem Himmel. Wir wissen, daß er heute noch die Geschicke der Völker lenkt. In ihm leben, weben und sind wir, aber wenn wir wissen, daß Gott die Welt durchwaltet, wenn wir spüren, daß nach seinen heiligen Gesetzen die Gerichte und Gnadenführungen heute noch in der Geschichte sich vollziehen: wer lehrt uns die Gedanken Gottes verstehen? Woher wollen wir wissen, daß er Gedanken des Friedens über uns hat und nicht Gedanken des Leides? Wer unter den Geschichtskundigen wagt, Gott nach dem zu messen, was hepte in China und Afrika geschieht? Da heißt es doch immer: Du bist ein verborgener Gott. Gott ist der Gott der Geschichte, aber Eines Volkes Geschichte ist doch vor allein die Geschichte Gottes mit dem Menschen. — Diese Geschichte haben wir allein in unserer Bibel. Nicht eine magere Lehre von Gott, sondern den lebendigen Gott selbst in seinem Walten haben wir in seinem Wort. Wir erkennen hier: im stillen sanften Säuseln der barmherzigen Liebe kommt Gott zu den Menschen. — — Wollen wir ihn so verstehen, dann müssen wir Zwiesprache halten mit Abraham und Mose, in stillen Stunden zusammen sein mit Jesaia und Jeremia. Wer sich in diese Bücher versenkt, der spürt etwas von dem lebendigen Gott, etwas Klares, Lichtes. Er erkennt ihn als den heiligen Richter, aber auch als den Vater, der Geduld hat mit seinen Kindern, bis er bei uns Wohnung machen kann. So spüren wir in der heiligen Schrift de» Herzschlag Gottes selbst. Hier ist Gott gegenwärtig. Er dringt auf mich ein, demütigt und erhebt mich. — — Ein Jahrtausend hatte die Christenheit ihren gnädigen Gott trotz der Bischöfe, des Papstes, der Kirchenversammlungen verloren, weit das Licht der heiligen Schrift nicht mehr leuchtete. Mit dem Licht der Bibel haben die Reformatoren die Jrrtümer verscheucht.- Me Kölnische Zeitung über Speisegesetze. In civilisierten Ländern ist nach der vegetarischen die jüdische Küche hinsichtlich der Auswahl die beschränkteste. Da, ivv in allen andern Küchen die Delikatessen erst aiifange», hat der Küchenzettel der jüdischen Hausfrau schon aufgehört. Versagt ist ihr alles vom Jäger erlegte Wild, verboten sind ihr nicht nur Austern, Caviar und die meisten Seefische, sondern auch Aale und Krebse. Das Schwein, das in dem Haushalte der Volksinassen eine so große Rolle spielt, ist bekanntlich aus der jüdischen Küche aufs strengste ausgeschlossen. Nicht genug damit, ist der Genuß des Hinterviertels sonst gestatteten Schlachtviehs verpönt. Das Fleisch allzu junger Kälber, sowie aller von einer tötlicheu Krankheit befallener oder tötlich verletzter oder verwundeter Tiere darf nicht genossen werden. Aber auch damit