Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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275 Handwerker ist sehr bescheiden. Die jüdischen Bauhanbwerker hätten erhört werden müssen, bevor sie gebeten hatten. In hohem Grade beachtenswert ist die Bitte der Gesellschaft, die Jugend neben der Lehre in der Werkstätte auch die erforderliche Bildung in der Schule gewinnen zu lassen. Der erziehliche Beruf der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden möge nicht nur in weitesten Kreisen der Glaubensgemeinschaft Anklang finden, sondern auch, den Lehren unserer Weisen gemäß, vorbildlich wirken. vr. S. Nascher. Was finden wir in der Mbel? 1 Aus einem Bortrage von Prof. M e z g e r in Basel. | In der Bibel finden wir den Menschen. Die Fülle des Menschendaseins . in allen Lagen des Lebens, auf den Höhen und in den Tiefen, in Freud' und ',s Leid, wird in ihr vor uns ausgebreitet. Könige und Sklaven, Priester und Pro- ' pheten, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Gerechte und Ungerechte treten; uns entgegen. Wir sehen die Menschen in ungeschminkter Wahrheit. Wir blicken hinein in die innersten Triebräder ihres Handelns n»d Empfindens: vom Sehnen des Herzens nach Gott bis zur Verzweiflung des Gottlosen und dem stillen Frieden des versöhnten Gotteskindes. Wir finden in ihnen uns selbst. Auch unter der .-ij Königskrone eines David erkenne ich mein Herz. Was in' seinem Herzen schlägt, ist auch mein Herzschlag, ja, der Herzschlag von uns allen. Was in jenem Herzen f jubelt, trauert und trotzt, das jubelt, trauert und trotzt auch in unser» Herzen. J Wie kommt das? Weil die Bibel alle Menschen an ihrer tiefsten Wurzel erfaßt. Wir finden in ihr alle Menschen in ihrem Verhältnis zu Gott. Die heilige Schrift r lehrt uns den Menschen verstehen als den, der zu Gott geschaffen ist, der Gott « verloren und darum Unruhe hat, bis er Gott wiederfindet. Sie lehrt, daß der .'i Mensch nicht ohne Gott sein kann, ob er für oder wider Gott ist. So lernen s wir in ihr uns selbst kennen. Solche sind wir, die wie jene beten: „Schaffe in : i mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist!" Darum fönnen wir mit jenen nach Jarhrtausenden jubilieren: „Lobe den Herrn, meine .* Seele, und vergiß nicht, was Er dir gutes gethan hat!" Wir sind als Menschen von Gott und zu Gott geschaffen, und nur wenn der Herr unser Hirte ist, wissen wir, , daß uns nichts mangeln wird. Das sind die Großen der Menschheit die Gott gefunden. Darum geht von ihrem Leben ein ewiger Anstoß aus bis auf unser Leben. Jetzt wissen wir: Wir sind solche, die nicht Ruhe finden, bis sie Gott gefunden haben. In der Bibel finden wir weiter den lebendigen Gott. Das kann ja nicht ' anders sein. Wenn wir den Menschen techt erkennen als den, der zu Gott gehört,