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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Leben. Die verkümmerte Gleichstellung durch unheimliche antisemitische Strömungen legt den Juden die Pflicht auf, durch festes und treues Zusammenhalten, Freunden zu Schutze und Feinden zu Trutze, die endlich errungene staatsgesetzliche und gesellschaftliche Stellung in Ehren zu behaupten. So gelangt die Gesellschaft, die der gewerblichen Arbeit besonders in intellektuellen Kreisen weite Gebiete erschließt, in den achtziger Jahren zur Blüte. Hingegen hat während der Zeit des Aufschwunges der staatlichen und sozialen Stellung der Juden in den siebziger Jahren die Gesellschaft bedeutende Rückschritte gemacht. Die Aussicht auf zugängliche städtische und staatliche, durch wissenschaftliche Befähigung erreichbare Ämter oder auf größeren, durch den Handel und besonders die Spekulation auf dem großen Markte zu erzielenden Gewinn hatte in dieser Zeit den Sinn für das Handwerk zurückgedrängt, das gleichwohl einen goldenen Boden hat, welcher aber erst durch mühsame Arbeit errungen werden muß In den Jahren 1813—1898 hat die Gesellschaft 1232 Lehrlinge ausgebildet. Auf die religiöse und allgemeine Ausbildung der Lehrlinge legt die Gesellschaft viel Gewicht. Mit Recht hebt Herr Marcus Adler aus eigener ehrenvoller Erfahrung in seiner Ansprache vom 1. Mai 1898 hervor, daß nur der mit Schulbildung Ausgestattete zu geachteter Lebensstellung aufrücken, der durch Sittenwahrheiten der Religion gebildete Charakter zur Abwehr gegen die Feinde der Glaubensgemeinschaft ausgerüstet und befähigt sein könne. Der Vorstand bestand in den Jahren 1882 aus den Herren S. I. Simon, Prof. H. Breslau, Commerzienrat Sigm. Friedländer» Heymann Arons, Leopold Lesser, M. Adler, Maurermeister C. Arnheim, Hof- und Kunstschlossermeister M. I. Bodenstein. Maler, I. Fränkel, Maurermeister. Von Stiftungen für die Gesellschaft seien hervorgehoben: die Daniel Israel und Sara Wulf'sche Nachlaßmasse (9000 Mark), die Sara Levy'sche Stiftung (15000 Mark), die M. I. Bodenstein und Josef Fränkel-Stiftung (10900 Mark) die Josef Lachman-Stiftuug (10000 Mark), die Adolf Ginsberg-Stiftung, von Frau Francisca Ginsberg geb. Sachs gestiftet (5000 Mark). Das Haus Mendelssohn hat in drei Generationen die Bestrebungen der Gesellschaft gefördert. Moses Mendelssohn hatte noch vor Stiftung der Gesellschaft, wie aus einem autographischen Schreiben Mendelssohn's an Friedrich Nikolai vom 8. Juli 1797 hervorgeht, für die Zulassung der Juden zum Handwerk sein edles Interesse bekundet. Sein Sohn Josef gehörte bis zum Jahre 1848, sein Enkel Alexander bis zum Jahre 1872 zu den Führern der Gesellschaft. Sehr bezeichnend für die Lage der Gesellschaft ist die Eingabe jüdischer Bauhandwerker an den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin am 23. Juli 1867. Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde aus dem Bauhandwerksstande bitten den Gemeindevorstand, bei vorkommenden Bauarbeiten, Neubauten, Reparaturen und Umbauten mit in Concurrenz gezogen zu werden. Die Bitte der Bau-

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