Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 — Die Gesellschaft zur Verbreitung des Kandwerks und des Ackerbaues unter den Süden im preußischen Staate. Arbeit ist des Menschen Zierde und Würde. Es singt der Palmist *): Es geht der Mensch zu seinem Handwerk und zu seiner Arbeit bis zuni Abend. Über den Wert des Handwerks spricht sich ein Talmudweiser wie folgt aus^): Wer seiner Hände Werk verwertet ist wehr als gottesfürchtig. Insbesondere steht das Kunstgewerbe schon im Pentateuchs) so hoch, daß zwei Vertreter desselben, Bezalel und Oholiab, als erfüllt von göttlichem Geiste und göttlicher Weisheit gewürdigt werden. Das Bauhandwerk findet unter dem König David, besonders aber unter dem König Salonion viele und tüchtige Vertreter, der mit Hiram, dem Könige von Thrus, ein Vertragsbündnis schloß. Tausend Schmiede und Schlosser waren zur Zeit des Königs Jehojachim mit diesem in die Gefangenschaft Nebukadnezars, des babylonischen Herrschers gerathen^). Unter den Weisen der Mischnah befanden sich nicht nur Meister des Handwerks, welche für ihre Sittenlehren Bilder aus dem Gewerbsleben entlehnet?) sondern betont auch die Mischnah die Liebe zur Arbeit^), betrachtet den Allgütigen unter dem Gesichtspunkte eines Arbeitsgebers, der den Lohn der Arbeit gewissenhaft erstattet), und hält die Vereinigung der Arbeit mit wissenschaftlicher Bildung für ersprießlich^). Die Mischnah macht es jedem Familienvater zur Pflicht, seinen Sohn ein Handwerk lernen zu lasset?). Zu den Handwerken, welche die Mischnah^) aufzählt, gehört das Schiff- und Brunnenhandwerk, die gewerbsmäßige Bade- und Friseurkunst. Im Talmud werden Schneider und Bäcker angeführt"). Besonders wird im Talmud die Stickerei als reines und leichtes Handwerk empfohlen^). Die Achtung vor den Meistern des Handwerks geht so weit, daß die Talmudweisen diese während der Arbeit der Pflicht entheben, vor Gottesgelehrten zum Zeichen der Verehrung sich von den Sitzen zu erheben^). Aus dem Midrasch") sei bei dieser Gelegenheit einer von mir übertragenen Parabel^) gedacht, die das ehrsame Schneiderhandwerk betrifft: Ans Athen ein Fremder kam Nach verwaister Gottesstadt. Einen Mörser bald er nahm, Den man dort zerstückek hat. 'i Psalm 104, 23. 9) Berachoth 5». 3) Erodus 31, 3 u. 6. 4) II. Könige 24, 16. 8> Abotb 5, 18. °) Abotl, 1, 10. 7) Aboth 2, 10 «. 21. 8) Abotb 2, 2. ») Kiduschin 29a u. 30b. 10) Schbiith 43a. u) Sabbath 11a u. 18a. Perachoth 33a. 13j Kiduschin 33a. ") Radball Thrcni 1. '^Wiener „Neuzeit" 1897. No. 32.