Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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271 gar unserer Großväter um die Mitte und zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit der unseligen vergleichen, dann werden wir mit Dankbarkeit zu der Vorsehung aufblicken, die uns soweit gebracht hat, und den Rückschritt als das hinnehmen, was er ist, als etwas Naturgemäßes. Wir werden dann weiter — Jeder an sich und mit seiner ganzen Kraft — daran arbeiten, um die Vorwürfe beseitigen zu helfen, die auch nur mit einem Schein von Recht gegen uns erhoben werden können. Wir werden dies thun, wenn wir auch nicht Offiziere, auch nicht einmal Reserveoffiziere oder Corpsstudenten werden können. Wer dann dennoch die gesellschaftlichen oder sonstigen Vorteile, die die herrschende Partei den Juden versagt, nicht entbehren zu können vermeint, wem diese höher dünken, als der Segen einer gefestigten Persönlichkeit und eines lauteren Characters, der mag selber offen übertreten und nicht seine Kinder etwas thun lassen, was er selber verabscheut. Wem aber das Judentum eine Lebensmacht ist, wer in ihm den von der Vorsehung bestellten Träger des reinen Monotheismus durch die Jahrtausende hindurch bis zu seinem unausbleiblichen Sieg sieht, — und um das Judentum so zu schätzen, braucht man es nur wirklich zu kennen, — der wird und darf nicht nur nicht selber übertreten, sondern darf auch seine Kinder nicht übertreten lassen. Mag ihn der Gedanke noch so schmerzen, daß auch seine Kinder von ungerechten Vorurteilen zu leiden haben werden, ihn wird auch wiederum der Gedanke trösten, daß Mensch sein heißt Kämpfer sein und Jude sein heißt Kämpfer sein für die höchste Idee, die je eines Menschen Herz bewegt hat. III. Ja Benedictus Levita hat Recht, es wird, wenn auch nicht in so naher Zeit, wie er a»zunehmen scheint, ja es wird einst eine Geistesschlacht innerhalb des Christentums geschlagen werden; „hie Unität," „hie Trinität" werden die Losungsworte der beiden kämpfenden Parteien sein. Wenn dann der Kampf auf's Höchste gestiegen sein wird, dann werden, wie einst die Israeliten zu Moses, so die christlichen Kämpfer für die Einheit zu den Juden emporblicken, die bis dahin treu zu dem Panier der Einheit gestanden haben, an ihnen werden sie sich aufrichten, ihrem Banner werden sie die Siegeswaffen entnehmen, und sie werden diejenigen segnen, die sich durch keine Not und Gefahr von der Stelle haben bringen lassen, wohin sie die Vorsehung gestellt hat, und die auch, soweit es an ihnen lag, dafür gesorgt haben, daß auch ihre Nachkommen treu zur Fahne stehen. Ob dann der Übertrittler Nachkommen in den ersten Reihen der Kämpfer für die Einheit oder überhaupt in ihren Reihen gestanden haben werden: wer wagt dies mit Benedictus Levita als sicher und gewiß, ja auch nur als wahrscheinlich hinzustellen? Frankfurt a- Mim November 1900. Rechtsanwalt Dr. Blau.