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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-11-01 · Heft 11 (1.11.1900) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 11 (1.11.1900)
Date
1900-11-01
Page
Seite 257 (sequence 19)
Language
German
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.,;,fIr,y.-r,TTT — 257 — einen Klasse gegen die andere Klasse. Vergessen sind die Lehren und Erfahrungen früherer Zeiten, der große König Friedrich II. scheint umsonst gelebt, und Lessing seinen Nathan umsonst geschrieben zu haben. Da will mir der heutige Festtag wie das Aufleuchten einer besseren und schöneren Zeit erscheinen. Wir haben es ja heute gehört, daß die wahre Nelogiosität nichts anderes ist, als das Streben nach Wahrheit. Auch die hiesige Synagogengemeinde legte einen Beweis dieses Strebens ab, indem sie den Bau eines Tempels in Angriff nahm und vollendete; denn sie hat die Religiosität ihrer Mitglieder fördern wollen und dann ist mit der heutigen Einweihung ein Sieg errungen, der die Mitglieder der Gemeinde die Unbill der Zeiten und der Menschen wohl vergessen lassen kann. Deshalb gereicht es mir zur ganz besonderen Freude, als Mitvertreter der städtischen Behörden dazu ansersehen zu sein, die Synagogengemeinde zu dem wohlgelungenen Werke von Herzen zu beglückwünschen, und ihr den Dank für die Einladung zur Feier auszusprechen. Mit noch mehr Stolz aber möchte ich behaupten, daß an diesem Feste die gesammte Königsberger Bürgerschaft freudigen Anteil nimmt. Denn gehobenen Hauptes und ihrer Zustimmung sicher darf ich es wohl aussprechen: Hier in Königsberg leben die Bekenner aller Konfessionen in Frieden und Eintracht neben- und miteinander. Daß dem aber so ist, daran hat auch die hiesige jüdische Bevölkerung selbst kein ganz geringes Verdienst. Darf ich beginnen mit dem, was mir am nächsten liegt, so muß ich rühmend und dankend anerkennen die aufopfernde Mitarbeit und Hingabe unserer israelitischen Mitbürger, nicht blos in der städtischen Verwaltung, sondern überhaupt in allen öffentlichen Angelegenheiten. Nur ungern und gewiß zum Schaden der Gesammtheit würden wir missen die Anhänger des mosaischen Glaubens in unserer Stadtverordneteilversammlung, in unserem Magistratskolleginm, in den vielerlei Kommissionen und Deputationen, in den städtischen und sonstigen Ehrenämtern, und so manches schöne und gute Werk wäre unterblieben, oder doch nur halb geschehen, wenn nicht unsere jüdischen Mitbürger mit Rat und That mitgeholfen hätten und noch mithelfen würden. Und wie wenig beanspruchten sie selbst dagegen unsere Mithilfe, zufrieden allein mit den Privilegien, die ihnen schon lange zustehen. Und wenn man die Listen Derer durchsieht, welche aus städtischen Mitteln Unterstützungen beziehen, so muß ich eingestehen, daß unsere jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen von der Armenpflege nur wenig Nutzen haben. Nicht daß ich meinte, Armut käme bei ihnen überhaupt nicht vor, aber stärker wirken bei ihnen die Bande der Familienzusammengehörigkeit und der Freundschaft; groß und bewundernswerth ist ihre Gatten- und Kindesliebe und mancher glaubenseifrige Christ könnte sich hierin an ihnen ein Vorbild nehmen. Wer endlich Gelegenheit gehabt hat, zu sehen, wie häufig gerade die Herzen und Hände der Juden sich öffnen, um auch fremde Not zu lindern oder um segensreiche Einrichtungen für das Gemeindewohl zu fördern, der wird gern das Wort unseres Kaisers unterschreiben, daß christlich-sozial eigentlich ein Unding ist. Ist doch in der That Wohlthätigkeit wie über-

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