Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 255 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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K D W- I: ppr OM Leidensbrief tn drei Teilen aus einem hebräischen Manuskript in der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien mD übersetzt vom fei. Rabbiner Dr. N. Brüll während seiner Studienzeit. (Siehe Monatsblätter 'lMl'' . Jahrgang 1897 S. 82) In demselben Monate verlangte ein Hauptmann, der die Fruchtmagazine beaufsichtigte Namens Schweizer, auf Zureden des vorgenannten Schersihik, der den ganzen Tag bei ihm war, daß man die Klaussynagoge und noch eine Synagoge räume, um sie als Fruchtmagazine zu gebrauchen. Die Kasseverwalter der Gemeinde und der Klaussynagoge wendeten sich aber an den „Ort, wo das Wort nützt". Wir erwirkten mit Gottes Hilfe von den Fürsten der Deputation, daß sie einen Befehl erließen und in der Altstadt verordneten, daß wenn die jüdischen Kasseverwalter ein anderes Haus zu diesen Magazinen hergeben, es billig sei, ein anderes Haus für die Synagoge anzunehmen. Genannter französischer Hauptmann wollte aber kein anderes Haus annehmen, sondern gerade „die Synagoge", sagten sie, „brauchen wir zu Fruchtmagazinen." Sie trugen den Kasseverwaltern auf, innerhalb 48 Stunden die Synagoge zu räumen, wo aber nicht, werde er hundert Reiter hinschicken, die Synagoge ausznränme», wie auch in selber Kammern und Thüren in den Gottesacker hinaus zu baue«, damit man durch den Gottesacker zur Synagoge mit Wagen und Pferden kommen könne, um von dort die Frucht zu holen. Durch viel Weinen und Verwenden glich man sich mit dem Ober-Befehlshaber, dem Franzosen Schweizer und dem Herrn Schersihik dahin aus, daß man ihnen innerhalb 28 Stunden für jene Synagoge 19 Hundert Gulden außer de» übrigen Auslagen zur Unterstützung des Baues neuer Kammern in dem sogenannten Katzenhause als Magazine geben werde. Diesen Ausgleich schrieb der Stadthauptmann der Altstadt für die Fürsten der Deputation, die denselben rechtskräftig bestätigten, daß man nunmehr von den Juden keine Synagoge wegen der Frncht verlange und dgl. Trotzdem nahm genannter Herr Schweizer, in der Absicht die Juden zu kränken, ihr Badhaus, das „Badhos" heißt, und legte dort lange Zeit Fruchtvorräte hinein. Montag, den 4. Nisan um Mitternacht kan» gegen den Orte Pi sek 10 Meilen von Prag ein großes österreichisches Heer, sodaß die Franzosen gezwungen waren, einige Meilen weit von dort in großer Eile zu flüchten, und da die Soldaten nach außerhalb der Stadt nachdrängten, stießen sie noch einige Hundert Mann von ihnen nieder, so daß sie Waffen und dergleichen, an Geld und Geldwert bis auf einige Millionen Reichsthaler zurückließe». Montag, den 6. Siwan kamen die Franzosen plötzlich gegen Königssal, eine Meile von Prag, dort machten sie Halt und schlugen ihr Lager auf. Da ihnen aber berichtet wurde, daß das Heer Österreichs ihnen nahe ist, flüchteten sie sich bis auf eine halbe Stunde von der Stadt Prag und legten Belagerungswerke rings um die Stadt an. Nach einigen Tagen kam das ganze österreichische Lager