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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-11-01 · Heft 11 (1.11.1900) · p. Seite 253

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 11 (1.11.1900)
Date
1900-11-01
Page
Seite 253 (sequence 15)
Language
German
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,'• V?1V'W f-WS< < V'/:,^vv.V«'1 f.V('V..v''J M 253 — „Laß mich zufrieden", erwiderte dann Gideon, gereizt, daß der andere scheinbar Recht hatte. „Wenn Du mich eben nicht unterstützest, einer allein s kann nichts ausrichten. Was ich gut mache, verdirbst Du wieder durch deine /Gleichgültigkeit." Wohlgethan hatte es Reifenberg aber doch, daß sich endlich einmal die Stimme der Gerechtigkeit für ihn erhoben hatte. Kränkungen, wie er sie früher hatte erleiden müssen, widerfuhren ihin kaum mehr. Zu zischen erlaubte man sich nur bei ganz bestimmten Lehrer», deren Milde und Ahnungslosigkeit sich notorisch jede Art Allotria bieten ließ. Besonders von Rassau, den seit den, unzweideutig gegen ihn gerichteten Strafdrohungen des Rektors die Rache plagte, hetzte, ohne sich selbst zu beteiligen, die Klasse immer zu neuen Zischattentaten gegen die beiden verhaßten Juden auf. Ihn zur Anzeige zu bringen, ging nicht an. Er konnte immer sagen: „Ich habe nichts gemacht." Gideon sah ein. der einzige Weg, sich gegen ihn zu schützen, war die Selbsthülfe. Er machte Reifenberg klar, daß jener Schleicher der alleinige Urheber alles Übels sei und die Übrigen sammt und sonders nur sein Beispiel nachäfften. Reifenberg, durch die Besserung seines Verhältnisses zur Klasse selbstvertrauender geworden, ließ sich von der Notwendigkeit energischer Gegenwehr gegen ihren gemeinsamen Feind überzeugen und versprach Gideons Vorhaben zu unterstützen. Die Klasse war gewöhnlich zehn Minuten vor Beginn des Morgen« Unterrichts im Schulzimmer versammelt. So auch wieder eines Samstagmorgens, wo es wegen des Wochenschlusses immer ausgelassener, als sonst herging, und man sich anläßlich des jüdischen Sabbaths aus Zischen und Spötteleien ein besonderes Vergnügen machte. Von Nassau fehlte noch und erschien erst kurz vor „Schellen". Als er den erstell Schritt über die Schwelle setzte, schnellte ihm ein lang angehaltenes „ptzsch, Ptzsch", wie die Ladung einer Spritzbüchse entgegen, und sofort pflanzten sich die Zischlaute wie auf Verabredung durch alle Bänke anschwellend weiter, und den bestürzten von Nassau, der über und über rot geivorden >var, empfing eine Zischflut, wie sie nie einen seiner jüdischen Mitschüler überschüttet hatte. Reifenberg und Gideon hatten die Loosung gegeben, im Vertrauen darauf, daß die Heerde, wenn einer den Anfang mache, blind einfiele. Sie hatten sich nicht getäuscht und auch die Wirkung auf von Rassau, der seiner Nase wegen sehr argwöhnisch war, richtig vorausgesehen. Daß er aber so empfindlich gewesen wäre, um auf der Stelle die Bücher hinzuiverfen und zum Rektor zu rennen, hätten sie nicht geglaubt. Reifenbergs Freude über den gelungenen Angriff war mit einem Schlage vorüber und seine Verfassung glich der eines reumütigen Sünders, der ein Unglück ungerichtet und nun fortwährend vor der Sühne zittert. Gideon dagegen glaubte fest an sein Recht. In der Klasse bildeten sich Parteien für und gegen von Rassau, und das Getuschel des heimlichen Fragens und Beratens

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