Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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252 schillern zugefügt würden. Er schilderte unter dem frischen Eindruck der Beschimpfung all die, täglich sich wiederholenden Leiden, die ihm der Stolz trotz der größten Duldsamkeit und Langmut nicht länger zu ertragen erlaube. Die Thäter wolle er nicht nennen, da er nicht deren Bestrafung wünsche, sondern die Verwarnung der Klasse vor den gehässigen Ausfällen gegen ihn und Reifenberg. Der Rektor, ein überzeugter Katholik und gefürchteter Lehrer, war über diese Enthüllungen aufs höchste entrüstet und ging sofort mit Gideon hinüber in die Unterprima. Man mochte dort nichts Gutes geahnt haben und erhob sich bei, seinem Eintreten niit schon einstudierter Ehrfurcht. „Setzen"! sagte der Rektor, ohne aufzublicken, indem er neben das Katheder trat, und der Klassenlehrer unterwürfig in de» Hintergrund wich. „Soweit ist es also gekommen, daß der Parteihader des öffentlichen Lebens auch in den Pflanzstätten der Bildung und Gesittung Eingang gefunden hat; daß Christen, die die Schule zum Wetteifer um die höchsten Kulturgüter versammelt^ ihre gleichstrebenden israelitischen Mitschüler verfolgen und am freudigen Weiter- , ringen hindern. Das ist eine Schmach! Das ist ein Hohn auf alle Christen-, Pflicht! Wo soll es hinaus, wenn die Verblendung der rohen Volksmasse schon hier im kleinen zu religiösen Spaltungen und gegenseitiger Bekriegung führen sollte? Für Sie gibt es nur einen Standpunkt Ihren Mitschülern gegenüber: Den des einträchtigen Zusammengehens auf dem Wege zur höchsten Civilisation und Humanität! Sie dienen Ihrem Gott und Ihrem Vaterlande > schlecht, wenn Sie, die Träger der Zukunft, den Geist der Unduldsamkeit mit ins Leben nehmen, der die Sicherheit des Staates und das Wohl der Gesellschaft ' untergräbt. Wenn ich diesmal von einer Bestrafung absehe, so haben Sie das Ihren! jüdischen Kameraden zu verdanken, die mir, schonend genug, die Anstifter Ihrer skandalösen Umtriebe verschwiegen. Das aber sage ich Ihnen: In meiner- Anstalt findet die Seuche des Religionshasses keinen Boden! Glauben Sie ja, nicht, daß ich einen Augenblick im Zweifel bin, wer an dieser Verhetzung den Hauptanteil hat! Ich werde von jetzt an mein besonderes Augenmerk auf dir '. Klasse richten und vor dem äußersten Mittel nicht zurückschrecken, meine Anstalt vor den Einflüssen unsauberer Elemente zu bewahren!" Die letzten Worte hatte der Rektor fast herausgedonnert Als er gegangen war, herrschte noch lange gedrücktes Schweigen.; Je eingeschüchterner man aber war, um so großmäuliger ivurde nachher über die „Pauke" des „Chefs" gewitzelt. Natürlich immer so, daß Reifenberg ' oder Gideon es hören mußten. Das gab dann Reifenberg jedesmal Gelegenheit, ', rechthaberisch darauf hinzuweisen: „Was Hab' ich Dir gesagt? Jetzt siehst Du, was es nützt, zum Rektyr zu laufen! Ich habe Dir immer gesagt: Thu's nicht!" -iiLLw...-.