Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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.MfN > MWWW — 240 — aber mit großer Vorsicht zu benutzen. Als Josephus die Archäologie herausgab, schrieb er die beiden Bücher gegen Apion oder: „ über das Alter der Juden" oder: „Gegen die Hellenen." Alle drei Titel sind bezeugt, aber keiner ist ganz zutreffend. Sie ist ein interessantes Beispiel einer nationalen Streitschrift und für die Kenntnis aller derartigen Schriften von großem Werte. Josephus will in ihr, wie er in der Vorrede erklärt, die ungerechten Angriffe gegen die Jude» zurückweisen; es ist eine Vertheidigungsschrift. Ähnliche Absichten verfolgten auch die übrigen Werke des Josephus, aber in Form der Geschichte. Hier dagegen ist die Vertheidigung wie der ausgesprochene Zweck, der ausschließliche Inhalt. (Schluß folgt.) Gideon von Leo Sternberg. Ein derartiger Mangel an „Klassengeist", wie in der Unterprima der kleinen Residenzstadt, hatte sich noch in keiner Klasse des Gymnasiums gezeigt. Diese Gesichter waren geradezu Typen von Streberei, Roheit, Beschränktheit und kindischer Unreife. Die Einzige», die den Eindruck ernster, gediegener Menschen machten, waren zwei Juden, die auf einer der mittleren Bänke nebeneinander saßen: Reifenberg, nüchtern, scharf, der sich immer mit einer gewissen phlegmatischen Sicherheit erhob, mit einer gebogenen Nase und schräger Stirn, auf der bei der leisesten Erregung nervöse Zornadern pulsten; Gideon, eine zartere Natur, mit dunklem, phantastisch-krausem Haar, elfenbeinerner Haut und einer fein geschnittenen Nase, deren bewegliche Flügel eine lebhafte, schwärmerisch^ Seele verrieten. Natürlich hatten sie — was das Jugendloos aller Bekenner ihD Glaubens ist — unter der Judenverachtung und -Verhöhnung ihrer Mitschüler beständig zu leiden. Hauptsächlich Reifenberg. Er hatte nämlich, als er eben in Untersekunda ausgenommen und mit seinen Schulkameraden noch nicht bekannt war, einen unter ihnen, der eine Nase hatte, wie der Vogel Tukan, für einen Glaubensgenossen gehalten und mit jener mißachtenden Familiarität ausgezeichnet, die ein Jude dem andern gegenüber herauskehrt. Von Nassau, der Sohn eines Oberhofmarschalls, ein Aristokrat von abstoßender Wortkargheit und posenhafter Steifheit ward um so empfindlicher getroffen, je ohnmächtiger er gegen seine Nase war, in der die Natur /. das Andenken an seine semitische Abstammung pietätvoll bewahrt hatte. Reifenberg <), mußte den Schimpf, den er ihm angethan, büßen. Von Rassau ruhte nicht eher, U als bis er eine allgemeine Hetze gegen ihn ins Leben gerufen hatte. Ein brüllendes M Gelächter ivurde angestimmt, wenn er auf eine an ihn gerichtete Frage des Lehrers;:;j eine falsche Antwort gab. In der Turnstunde stellte man ihm das Sprungbrett auf die Kippe eines Steines, daß er beim Anlauf glitt und zu Boden stürzte. ( Man schrieb ihm Schimpfnamen in Hefte und Bücher; zeichnete Karikaturen von '■<