Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 245 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Zum Schluß möchte ich nur erinnern an ein Gleichnis, das zu den schönsten gehört, die Jesus erzählt hat, und das ihr alle kennt. In diesem Gleichnis erhebt er sich, vielleicht unter dem Druck einer edlen That, die von einem Heiden oder Halb-Heiden gethan worden war, über die Vorurteile, die er gewöhnlich gegen die Heiden und Halb-Heiden hegte. Ich meine das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Da erzählt er, wie ein Samariter barmherzig war gegen einen armen Juden, wie der gute Samariter in diesem Juden den Juden gar nicht sah, den Menschen erkannte, sich seiner als eines Menschen erbarmte. ..Gehe hin, sagt Jesus, und thue desgleichen". Wißt ihr, wie manche Antisemiten in neuerer Zeit dieses Gleichnis anwenden und verwerthen? Vor Kurzem erst ist Solches in Deutschland geschehen. Man hat die Bestimmung treffen wollen und thatsächlich hat man sie, wenn ich nicht irre, auch getroffen, Juden, die sich den sogenannten Samaritervereinen anschließe» wollen, die im Fall eines Krieges Verivundeten helfen wollen, Verwundeten jeglicher Konfession und Nationalität, den Beitritt zum edlen hochchristlichen Verein zu verweigern. Wir wollen keinen Juden in unfern Samaritervereinen! Sv sprechen diese christlichen Samariter. Zu de» Juden, die ihin zuhörten, sprach Jesus: „Gehet hin und thut desgleichen". Wenn aber ein Jude kommt und thun will, was Jesus sagte, so sprechen zu ihm die gläubigen Verehrer Jesu: Jude, mache daß du fortkommst! Ich aber, meine lieben Brüder, sage euch: Gedenket des Gleichnisses Jesu und des Schlußwortes dieses Gleichnisses! Sehet euch um, und wenn ihr auf dem Wege einen schiver verwundeten Mensche» liegen seht, so erbarmt euch seiner! Der Mensch, an den ich jetzt denke, es ist der ewige Jude, den unsere Ahnen geplündert, schwer verivundet, halb tot haben liegen lassen auf unserm Wege. Gehet hin, hebet ihn auf, behandelt ihn mit Liebe als einen Mitmenschen — und ihr werdet sehen, daß dieser Verwundete, dieser Halbtote genesen nnd ein nützliches, edles Mitglied werden wird unseres Volkes. Josephus, der jüdische Historiker. (Fortsetzung). Josephus hat sich bemüht, eine möglichst mannigfaltige und anziehende Darstellung der jüdischen Geschichte zu liefern. Auch die Sprache und der Ausdruck legen Zeugnis davon ab. Josephus vermeidet innerhalb des Satzes durchweg den Hiatus, den Zusammenstoß zweier Vokale, die eine Elision oder Krasis nicht zulassen. Sein Ausdruck ist gewählt, reich an Bildern und Gleichnissen, reich an Sentenzen, an poetischen und seltenen Worten. Es ist nicht die einfache Sprache der Atticisten, sondern der Stil des Josephus nähert sich der überladenen Fülle der asianischen Beredsamkeit. Es ist kein Zweifel, daß Josephus sein Werk nach den Mustern und Regeln der rhetorischen Geschichtsschreibung eingerichtet hat. Bei den Römern ist diese Richtung fast ausschließlich zur Herrschaft gelangt