Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- Seite 234 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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234 im Auftrag des Kaisers von Oesterreich ein Denkmal der verewigten Kaiserin Elisabeth modelliert. — Aus Anlaß der sechzigsten Jahreswende des Todestages des auf dein Friedhofe in §. H. Ujhely ruhenden Oberrabbiners Moses Teitelbaum wurde dessen Grab voll mehr als dreitausend frommen Pilgern aus dein Zempliner und den anderen nordöstlichen Komitaten besucht. Unter den zum größten Teile zur chassidäischen Sekte gehörenden Wallfahrern befanden sich nicht weniger als 21 galizische Rabbiner. — Se. Majestät hat den Titular-Ministerialrat Michael Szanto zum wirklichen Ministerialrat des Jnstiziniiiisterinnis in Sudapest ernannt. Er ist der Leiter der Gesetzesvorbereitungs-Kvinniission und gleichzeitig der erste und derzeit der einzige Jude in Ungarn, der ohne Taufe diese hohe Stelle bekleidet. — Man schreibt uns aus London: Der vierte Zionisten-Kongreß, der hier vom 15—16 August tagte »nd an dem sich inehr die Juden vom Osten beteiligten, ivährend die führenden Geister der englischen Judenheit durch Abwesenheit glanzten, hat eigentlich den Erwartungen nicht entsprochen die man hegte. Es wurden Rede» gehalten, Debatten, oft stüriilische, Debatten geführt, ohne daß sich ein Fortschritt der Bewegung wahrnehmen ließ. Die Verhandlungen bewegten sich in den bekannten Auslassungen gegen die Gegner, ohne daß irgeiid welche neue Gesichtspunkte zu Tage getreten ivären. Es ist ja erfreulich in unserer ideallosen Zeit eine große Schaar von Inden zu sehen, denen im Gegensätze zu den Indifferenten eine Begeisterung innewohnt, die aus edlen Motiven hervorgeht, aber schade, daß sie für utopistische Gedanken verschwendet wird. Mit der Anerkennung von Seiten christlicher Kreise hat man diesmal nicht Staat gemacht, sondern int Gegenteil vor den Missionare» gewarnt, die in aufdringlicher Weise die Kongreßmitglieder behelligten und sie zum Christentum bekehren wollten. Ja hier liegt ein fraglicher Punkt. Glaube» denn die Zionisten wirklich, wenn sie schon sogar den ersehnten „Charter" hätten, daß sie nicht einen neuen Kreuzzug der Gläubigen heraufbeschwören würden, die die Juden nicht als Hüter der christlich heiligen Stätten dulden würden, es sei denn, daß sie eine andere Stellung zum Stifter der christlichen Religion annehmen würden, die am wenigsten von den Juden des Ostens angebahnt werden könnte. Jndeß genug davon. Es möge hier nur ein Bericht über die Verhandlungen folgen. Am 13. August wurde der Kongreß durch Herrn Dr. Theodor Herzl eröffnet mit einer teils in englischer, teils in deutscher Sprache gehaltenen sehr eindrucksvollen Rede, in welcher auch der gegründeten Aussicht den „Charter" zu erhalten Ausdruck gegeben wurde. In das Bureau wurden gewählt: Dr. Herzl, Präsident, Dr. Rordau, Dr. Gaster, Dr. Mandelstamni, Vizepräsidenten, Dr. Kohan-Bernstei», Rechtsanwalt Jasinvwsky, Prof. Dr. Gottheit, Dr. Alexander Marmorek, Sir Francis Mvntefiore, David Wvlfsohn, S. Pineles und Dr. Schur als Beisitzer. Ferner wurden als Schriftführer gewählt: I. Usischkin und Dr. Levin für hebräisch und Jargon, Dr. I. Tschlenvw und Temkin für russisch, Mr. Josef Cowen für englisch, Frau Professor Gottheit für französisch, Dr. Friedmann und Dr. Menczl für deutsch