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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-10-01 · Heft 10 (1.10.1900) · p. Seite 232

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 10 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
Seite 232 (sequence 18)
Language
German
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232 Zuerkennung des letzteren Preises wird voraussichtlich'erst im Jahre 1902 erfolgen, die der übrigen bereits im März 1901. — Bei dem in Lübben (Lausitz) stattgehabten Königsschießen des dort garnisonierenden Jägerbataillous errang Hugo Lewitzki aus Serlin, Sohn des Kantors Lewitzki, der augenblicklich die Kantorstelle Schneidemühl vertretungsweise verwaltet, alle drei ausgesetzten Preise. Der erste von der Inspektion gestiftete Preis bestand in einem prachtvollen Bilderalbuni, der zweite/von der Kompagnie gestiftete, ebenfalls in einem Album mit Silberbeschlägen, und der dritte, der Staatspreis, aus einer Butterglocke mit silbernem Untersatz. Lewitzki wurde mit Guirlanden geschmückt und mit Musik nach der Kaserne gebracht, woselbst das Bataillon im Parademarsch vor dem glücklichen Schützen vorbeimarschirte. — Bei dem in diesem Sommer in Steinheim gefeierten Schützenfeste wurde Herr Abr. Weil Schützenkönig. Bei dem Einzug desselben in die Stadt zeigte sich in dem Jubel der Bevölkerung, welcher Sympathien sich derselbe hier erfreut. Derselbe hat in dem Krieg von 1870/71 beim 2. Garderegiment mitgekänipft. — Der Florentiner Antiquar Leo Glschki hat in der letzten Zeit in einen, Venetianer Patrizierhaus ein vollständiges Exemplar der Bibel -mit den Koniinentaren von Nikolaus v. Lyra aufgefunden, die in, Hause des Don Pietro Massimo in Rom in den Jahren 1471 und 1472 in fünf großen Bänden gedruckt wurde. Ein vollständiges Exemplar dieser Bibel gehört zu den größten Seltenheiten, ein solches wurde vor nicht langer Zeit an eine öffentliche Bibliothek um 30. .00 Lire verkauft. Das Werk enthält eine große Anzahl von kolorirten Zeichnungen, Pläne von heiligen Gebäuden, Thiere und sechs sehr seltene Kleinodien, auf denen Christus in der Vorstellung der Lateiner und der Vorstellung der Juden abgebildet ist, dann Köpfe von Thieren, einen Engelskopf, vier geflügelte Gestalte», eine Engelsgestalt und endlich Christus auf einem Kreise sitzend und mit den Füßen auf einem Tempel ruhend. Die Zeichnungen sind wahrscheinlich das Werk eines italienischen Meisters vom Ende des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich Mantegnas oder jedenfalls aus seiner Schule. Der Kommentar von Nikolaus v. Lyra, der dieser seltenen Bibelauflage beigedruckt ist, wurde auch von Luther benutzt, und es wurde auf diesen Unistand das bekannte Wort gemünzt: „Si Lyra non lyrasset Lutherus non saltasset “ (Hätte Lyra nicht auf der Leier gespielt, hätt' Luther nicht getanzt) Andererseits hat Nikolaus v. Lyra wieder sehr ausgiebig den alten Bibelkoinmentar von Raschi benutzt, so daß man wohl hat behaupten können, Luther sei bei seiner Exegese in den Spuren Raschis einhergegangen. — Von Heine wird erzählt — der todkranke Dichter lag schon siech in seiner Matrazzengruft —- als ihn eine? Tages Offenbach und Börne besuchten und ihn auffallend still und ernst fanden. Auf ihre Frage, was ihn so ernst stimme, antwortete er ihnen: „Was? Ihr seid Juden und ich als Goj muß Euch sagen, daß heute Kolnidre-Abend ist?" „Nun," sagte Offenbach, „wenn das ist, so will ich Euch den Kolnidre Vorsingen." Und er trug den uralten, erhabenen Sang, selbst ergriffen

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