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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-10-01 · Heft 10 (1.10.1900) · p. Seite 231

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 10 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
Seite 231 (sequence 17)
Language
German
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231 Flehen betet er Lot heraus aus der brennenden Stadt.-Ja, der alte Gott lebt noch! Der große Alliierte regiert noch — der heilige Gott, der Sünde und Frevelthaten nicht kann triumphiere» lassen, sondern seine heilige Sache führen wird wider ein unheiliges Volk — der allmächtige Gott, der durch die stärksten Mauern greifen kann, als wären es Spinngeioebe, und der die größten Massen zerstreuen kann wie Sandhaufen — der barmherzige, getreue Gott, der das Wohl und Wehe seiner Kinder auf seinem Vaterherzen trägt, der jeden Seufzer hört uud jede Not mitfühlt. Fromme Gebete öffnen seine Vaterhand, und sie ist gefüllt mit Segen. Heiße Gebete öffnen sein Vaterherz, und es ist voll von Liebe. Ja, treue, anhaltende Gebete, sie holen den lebendigen Gott vom Himmel herab und stellen ihn in unsere Mitte. Und ist Gott für uns, wer mag ivider uns sein? Wohlan den»! Droben in den Tauern hängen seltsame Glocken auf Bergeshöh'! Von keines Menschen Hand werden sie geläutet. Still und stumm hängen sie im Soitncnschein. Aber wenn der Sturmwind kommt, dann beginnen sie zu schwingen, hebe» an zu läuten, und ihre Glockenklänge hört man weit hinab ins Thal. Gott der Herr hat in jedes Menschenherz die Gebetsglocke hineingehängt. Doch, im Sonnenschein und Glück des Lebens, wie oft hängt sie still und stumin! Wenn aber der Sturmwind der Not hervorbricht, dann hebt sie an zu klingen.-Moses hielt seine Hände hoch, bis die Sonne unterging —: Da hatte Josua den Amalek geschlagen mit des Schwertes Schärfe! Unser Kampf ist nicht zn Ende gebracht an einem Tage. Aber laßt die Hände nicht müde werden, nicht sinken, bis der Sieg errungen. Lasset uns beten: Allmächtiger Gott! Lieber himmlischer Vater! Dn Herr der Heerscharen und Lenker der Schlachten! Wir heben betend unsere Hände zu Dir empor. Auf Dein Herz legen wir die Tausende der Waffenbrüder, die Du selbst gerufen hast in den Kampf! Schirme mit Deinem allmächtigen Schutze unserer Söhne Brust! Führe Du unsere Mannschaften zu kräftigem Siege! Auf Dein Herz legen wir die Verwundeten und Kranken. Sei Du ihr Trost und ihre Kraft und heile ihre Wunden, die sie empfangen haben für König und Vaterland. Auf Dein Herz legen wir alle die, denen Du bestimmst, auf fernem Schlachtfelde zu sterben. Stehe Dn ihnen bei im letzten Kampfe uud gieb ihnen den ewigen Frieden! Auf Dein Herz legen wir unser Volk! Wahre, heilige, mehre die Begeisterung, die uns jetzt Alle durchglüht. Herr unser Gott! Wir wagen es auf Dich! Führe Du uns an im Kampf! Wir rühmen, Herr daß Du uns hilfst und in Deinem Namen werfen wir Panier auf. Herr, wir lassen Dich nicht, Du segnest uns denn! Amen." — Die königliche Akademie der Künste in Berlin schreibt für das nächste Jahr wieder den ersten Michael Beer-Preis in Höhe von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien für jüdische Bildhauer aus. Der zweite Michael Beer-Preis in gleicher Höhe ist für Musiker bestimmt, desgleichen der Preis der Giacomo Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler in Höhe von 4500 Mark zu einer ein- und einhalbjährigen Studienreise. Die

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