Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Wüste, vom Noten Meere zum Berge Sinai. Aber plötzlich tritt ihnen das heidnische Amalekitervolk in den Weg, will ihnen den Durchzug wehren und es kommt zur Schlucht. Josua führt die junge Mannschaft Israels in den Streit, die Schwerter klirren aufeinander und ein heißes, blutiges Ringen beginnt im Thale Raphidiin- Aber siehe, während der Kampf hin und her wogt, steigen die frommen Gottesmänner Moses, Aron, und-Hur hinauf auf Bergeshöh, sie strecke» ihre Hände empor zmn Himmel: sie beten. Drunten im Thal die kämpfende Schar, droben auf dem Berge die betende Schar — das ist das heilige Schlachtenbild unseres Textes. Wer verstünde heute nicht, was es uns sage» will! Wiederum hat sich ja heidnischer Anialekitergeist geregt im fernen Asien. Und wiederum ist der Gottesbefehl ergangen: „Erwähle Dir Männer, zeuch ans und streite wider Amalek!" Ein heißes, blutiges Ringen hat begonnen. Schon stehen viele unserer Brüder drüben im Feuer — viele fahren den feindlichen Küsten zn — und ihr habt sie gesehen, die Tausende, die auf de» Ruf: „Freiwillige vor! Wer will des Reiches Hüter sein?" sich jetzt sammeln, um mit fliegenden Fahnen mit einzutreten in den Kampf. Aber wir, die wir zurückbleiben müssen in der Heimat, die wir durch andere heilige Pflichten gebunden sind — sagt, hört ihr nicht den Ruf Gottes, der an euch ergeht und der es euch sagt: „Steige hinauf ans den Berg! Hebe Deine Hände empor zum Himmel! Das Gebet des Gerechten vermag viel, wen» es ernstlich ist!" Wohlan denn: drüben in der Ferne die Scharen der Kämpfer, hier in der Heimat die Scharen der Beter — das sei das heilige Schlachteubild auch unserer Tage. Mahne denn diese stille Morgenstunde, sie mahne uns an die heilige Pflicht der Fürbitte, sie erinnere uns an die heilige Macht der Fürbitte.- Das Gebet ist der goldene Schlüssel zur Schatzkammer unseres Gottes. Aber wer ihn hat, der hat auch die Verheißung: „Wer da bittet, der empfängt." Oder wollen wir etwa die Hände müßig in den Schoß legen? Wehe uns, wenn wir träge und lässig wären, während sie das harte, blutige Handwerk treiben! Wehe uns, wenn wir hinter den Schranken dem großen Schauspiel nur neugierig znsähen, während sie ringen in heißem Todeskampf! Das wäre Kains-Geist mit der grausamen Sprache: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?"-Oder glauben wir etwa nicht an die heilige Macht der Fürbitte?! Nun denn, was sagt unser Text? „Sv lange Moses seine Hände empvrhielt, siegte Israel!" Die heißen Gebete eines Moses machten die Schwerter der Feinde stumpf, sie schoben sich >vie ein Keil in die feindlichen Schlachtreihen, brachten sie ins Wanken und hefteten den Sieg an die flatternden Fahnen Israels. Und wenn das die Gebete eines Moses vollbracht, sollten nicht auch unsere Gebete solches vermögen? Gott hat keine Silbe von seinen Verheißungen zurückgenommen — treue Gebete können noch heute die Drachenbanner in den Staub werfen und die Kreuzesbanncr auf die Mauern pflanzen. Und Moses steht mit seiner Fürbitte nicht allein. Schau hin, dort auf der Höhe von Sodom steht Abraham fürbittend vor seinem Gott, und mit seinein