Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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229 wir leiden auch nicht wenig auf dieser Erde; wir erwerben unser Brot mit dem Schweiße unseres Angesichtes und häufig gelingt es uns auch mit aller Anstrengung unserer Kräfte nicht ganz uns von nagenden Sorgen, oder gar von drückender Dürftigkeit zu befreien. Mit Schmerzen treten wir ans Tages Licht und mit noch empfindlicheren Schmerze» müssen wir von dannen scheiden, unsere Körperkraft welkt dahin wie eine Pflanze und unsere Tage enteilen wie ein Schatten, und Du, ewiger und allmächtiger König, solltest so schwache und gebrechliche Wesen, die Du selbst erschaffen und denen Du täglich so viele Beweise Deiner unendlichen Güte giebst von dir stoßen, wenn sie ihre Schuld einsehen, bekennen und bereue» und Trost in deinen Armen suchen! Nein, das wirst Du nicht. Uns ziemt Scham, Zerknirschung und Demut; Dir aber ziemet Gnade, denn wolltest Du nach strenger Gerechtigkeit unser Geschick bestimme», so würde kein Erdensohn rein befunden werden und Deine Schöpfung müßte ins Chaos zurücksinken. Seit getrost, nt. L., so hart auch jeder seine Sündenlast fühlen möge, so sei er versichert, daß sich Gott mit ihm aussöhnen werde, wenn er es an Buße und Gebet nicht fehlen läßt, besonders an diesen heiligen Tagen, die in unserer Religion dazu bestimmt sind. Und so rufe ich auch Euch wie Esra zu: Gehet und genießet mit Heiterkeit und Seelenruhe Euer Festmal in dem Kreise der Eurigen, und bedenket mit Gaben die. welche Not leiden und bannet Kummer und Trübsinn aus Euren Herzen; denn Freudigkeit im Herrn wird Euch eine feste Burg sein in Ewigkeit Amen. Monatsschau. Am 4. September starb in Frankfurt a. M. Herr Theodor Stern, der seit 1873 der städtischen Gemeindeverwaltung angehvrte und in den verschiedenen ihm übertragenen Ämtern durch seinen regen Eifer und durch sein reiches Verständnis eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete. Er erfreute sich wegen seiner persönlichen Liebenswürdigkeiten, ivegen seines wohlthätigen Sinnes und wegen seiner verständnisvollen Teilnahme an wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen, die in ihm stets einen Förderer fanden, der Beliebtheit in den weitesten Kreisen. Er hatte auch ein lebhaftes Interesse für die Reformbewegungen innerhalb des Judentums und bekundete für den Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. seit dessen Gründung und besonders für dessen Vereins-Organ die „Monatsblätter" Verständnis und Teilnahme. Wir werden dem Dahingeschiedenen in unseren Kreisen stets ein ehrendes Andenken bewahren! — Aus der Predigt des Kaisers an Bord S. M. S. „Kohenzollrrn" am 29. Juli, mögen hier folgende Auszüge folgen: Nach Verlesung des Textes, 2. Mop 17, V. II, fuhr der Kaiser wörtlich fort: „Ein ergreifendes Bild ist es, das unser heutiger Text uns vor die Seele malt. Da zieht Israel hin durch die