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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-10-01 · Heft 10 (1.10.1900) · p. Seite 226

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 10 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
Seite 226 (sequence 12)
Language
German
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226 Gelegenheiten fliehet, die ihn wieder auf die verlassene Bahn zurückführen könnten, dessen Buße ist schon vollbracht. Als dem König David vom Propheten Nathan sein kurz vorher begangenes Verbrechen vorgehalten wurde, sagte er mit wehmütiger Zerknirschung die Worte: ich habe gesündigt gegen den Herrn und der Prophet antwortete darauf: Der Herr hat Dir deine Sünde abgcnommeu, Du wirst nicht sterben. Höret auf Euch den so liebevollen Vater als ei» rachsüchtiges Wesen zu denken, das durchaus jeden Fehler durch körperliche Leiden abgebüßt wissen will. Wenn er uns züchtiget, so geschieht es, um uns dem Guten zuzusühren: thnn wir es aber aus freiem Antriebe, so hält er stets seine väterlichen Arme offen und nimmt uns huldvoll auf. Die Ihr Euch der Religion entfremdet habet, fürchtet nicht zu ihr zurückzukehren, sie ist wahrlich nicht so düster und freudenleer, als Ihr sie Euch vorstellet, und die Kluft, welche den Himmel von der Erde trennt, ist gar nicht so tief. Ihr dürfet fortan wie bisher fröhlich und guter Dinge sein, denn der Vater im Himmel will, daß seine Kinder sich um ihn frenen, kehret nur zurück zur Menschentugend und Gottesfurcht und unterwerfet Euch blindlings den« göttlichen Willen, so werdet Ihr gar bald wahrnehmen, daß er mit dem, was Ihr selbst vernünftigerweise wollen könnet, vollkommen übereinstimmt. Ich spreche besonders zu Euch, ihr Edlen des Volkes, die Ihr die Tugend liebet und übet, die Ihr durch Euer Leben zeiget, daß hohe Sittlichkeit Euch am Herzen liegt, was hält Euch ab das Gute, das Ihr thuet, dem zum Opfer zu bringen, der Euch den Sinn für das Gute eingepflanzt hat. Ihr seid es, die ich vorzüglich zur Buße aufrufe, denn wenn Ihr zu Gott zurückkehret, so folgen unzählige, die Euch zum Muster wählen. Eure Wohnungen strotzen vor Gold und prächtigem Geräte, und das Hans Gottes bleibt unbedacht, und Ihr sehet es geduldig an, wie ein blühender und talentvoller Jüngling nach dem andern, sich einer öffentlichen Gottesverehrung entzieht, die seinen Geist nicht belehrt und sein Gemüt nicht anreget und endlich nichts vom Israeliten behält als den Namen. Blicket in die nahe Zukunft, und gestehet Euch selbst, daß sie nichts anderes verspricht als starren Formenzwang auf der einen und Unglauben und Gottvergessenheit auf der anderen Seite. Und dies sollte die Bestimmung unserer heiligen Gemeinde sein, unter deren Licht ganz Israel zu wandeln gewohnt ist! Wahrlich ein schrecklicher Gedanke. Erschrecket Ihr selbst davor und verhütet» so lange es noch nicht zu spät ist, das wirkliche Eintreffen eines so traurigen Zustandes. Wahr ist es, daß Buße eine Sache des Herzens und nicht bloß der Lippen ist; aber doch giebt es keine wahre Buße ohne Gebet, so wie es auch keine vollkommene Gottesverehrung ohne Gebet giebt; denn wenn unsere Gedanken und Gefühle sich durch Worte aussprechen, so wirken die Worte auf die Seele zurück, helfen den Gedanken sich entwickeln und verleihen den Gefühlen Schwung. Es sage darum keiner, ich bedarf des Gebetes nicht, verehre ich ja Gott in meinem Herzen! Ich will zugeben, daß Du Dir eine Vorstellung von Gott machen kannst, wie sie Dir in unfern schönen Gebeten gegeben wird, daß Du weißt,

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