Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Verfassers als in dem vortrefflichen Inhalt des Buches zu liegen scheinen. In einer rein historischen Abhandlung, noch dazu über so ganz entlegene Zeitverhältnisse nimmt es sich sonderbar ans, von „Agrarpolitik" und dem „Mittelstandsideal" der Propheten und anderen Beziehungen zu gegenwärtigen Fragen, die doch nichts beweisen können, wie von Beweisen zu lesen. Es hängt doch mit der modernen Agrarfrage gar nicht zusammen, wenn die Propheten in einein Lande, das durch seine Fruchtbarkeit berühmt war, die meisten Zuknnftsideale im Bilde eines friedlichen Landlebens zeichnen, und es hat mit einer Widerlegung socialistischer Ideen nichts zu thun, wenn behauptet wird, daß die Propheten niemals die Einrichtungen des Staates angriffen. Auch der Vergleich der prophetischen Verkündigungen mit den utopistischen „Staatsromanen" ist eigentlich mit Berücksichtigung auf die ungeheure Distanz eines Bellamy beispielsweise von einem Jesaia nicht recht angebracht, zumal es auch nicht rein hinzunehmen ist, daß beiderlei Zukunftsgedanken nur dem Mißvergnügen an den herrschenden Zuständen ihre» Ursprung verdanken. Aus dem Negativen allein kann niemals ein reinstes Positives werden. Vielmehr ist wohl bei de» Propheten das Prophetische Primäre, und Gesellschaftskritik von einem erhabeneren Standpunkte aus erst das Sekundäre, wenn auch erst dieses lebendig in die Geschichte eintritt. Josephus, der jüdische KistoriKer. (Fortsetzung). Von seiner Frau, die in Jerusalem eingeschlossen war, hören wir nichts weiter. In Alexandria nahm er sich eine andere, schied sich aber später von ihr und wählte eine Stainniesgenossin aus Kreta aus gutem Hause, mit der er in Eintracht lebte. Von der ersten Frau war ein Sohn, Hyrkanos am Leben, von der anderen zwei, Justus und Simonides, letzterer auch Agrippa genannt. Soweit reichen die Nachrichten über seine Person. Das Weitere ist unbekannt. Josephus hat also den zweiten Teil seines Lebens mindestens 25 Jahre in Rom gelebt und ist hier der Geschichtsschreiber seines Volkes geworden. Jüdische Gelehrsamkeit und Gesetzeskunde brachte er mit und diese wurden durch die Kenntnis der griechischen Sprache und Literatur sehr gefördert. Sicherlich war er schon 63 n. Ehr. als er die Gesandschaft an de» Kaiser unternahm, des Griechische» nicht unkundig. In Rom, wo so viele griechische Literaten wohnten, wo ihm die Schätze der griechischen Literatur vollauf zu Gebote standen, Haler sich dann soweit vervollkommnet, daß er daran denken konnte, sich als Schriftsteller in griechischer Sprache zu versuchen.