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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-10-01 · Heft 10 (1.10.1900) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 10 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
Seite 219 (sequence 5)
Language
German
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219 Das Auftreten dieser „Sturmvögel der Weltgeschichte", wie sie Cornill bezeichnenderweise nennt fällt bereits in die Zeit des social-sittlichen Verfalles. Israel ist von Haus ans ein Viehzucht treibendes Volk, das erst in seinem Lande den Ackerbau lernt, jedoch sein ganzes Leben ist auf der Naturalwirtschaft aufgcbaut. Da dieser natürliche Zustand nicht immer fortbestehen kann, gebietet die mosaische Satzung die Aufrechthaltung der sittlichen Folgen desselben. Wenn jeder das Seine erzeugt und verzehrt, ist Ungleichheit der Stände unmöglich, der Besitz jedes Einzelnen gesichert. Diese Wohlthaten der natürlichen Wirtschaftsordnung sollen durch das Gesetz künstlich erhalten werden. Der Mißbrauch der Sklaverei darf nicht eingebürgert werden, der Sklave wird im siebenten Jahre entlassen, seine Sicherheit strenge geschützt, jedes verpfändete Gut wird im Erlaßjahre dem ursprünglichen Besitzer zurückgegeben u. s. w. Alle diese Einrichtungen aber änderten sich mit der Gründung des Königtums. Es tritt damit ein orientalisches despotisches Element in das jüdischen patriarchalische Volksleben, dem rasch manche andere, dem jüdischen Wesen widersprechende orientalische Bräuche und Einrichtungen folgten. Das künstlich entstandene Königtum, aus politischen Gefahren hervorgegangen, entwickelte schon nach kurzer Zeit die Keime des socialen Verfalles. Die Üppigkeit der königlichen Hofhaltung, die erhöhte Bedeutung des großstädtischen Lebens, die wachsende Macht des Kriegerstandes, die innigere Berührung mit den umliegenden Völkern, die zwar der Handelstrieb zuerst anregte, Geld, ein Ding, das erst seit König Davids Zeiten existiert, ins Land brachte, aber eben damit auch von dem Ackerbau ablenkte, den Wert des Getreides in die Höhe trieb, aber auch vom Absätze im Auslande abhängig und dadurch schwankend machte, und vor allem die Untergrabung der einfachen Volksideale durch die Einbürgerung des sinnlichen Kultus der Nachbarvölker, dies alles im Einzelnen und in innigster Wechselwirkung bringt das jüdischen Staatswesen, insbesondere aber auch das Leben und Treiben jedes Einzelnen in einen Zustand, der dem Geiste des Mosaismus direkt widerspricht. Sehr viele Details, die ein scharfes Licht auf diese Zustände werfen, werden angeführt und durch Bibelstellen belegt, wie eine Spaltung der Stände, Aufhebung der früheren Freiheit der Person und Verschiebung der Eigentumsverhältnisse teils künstlich von oben aus erfolgt. Charakteristisch sind in dieser Hinsicht die dreißig Tausend Werkleute des Königs Salomo, für die Entwicklung des Handels, welcher einen riesigen Aufschwung nahm und Anhäufung des Kapitals. Der Handel bestand ursprünglich nur in Getreidelieferungen an die Phönizier um die Arbeit von Bauleuten und Material zu bezahlen, und wurde erst unter Salomo zur'Handelspolitik, um die Bedürfnisse des Hofes zu befriedigen, (Fahrt nach Ophir, königliches Monopol des Rosse- und Wagenhandels). Daß hauptsächlich Getreide ausgeführt wurde, mußte insbesondere auf die Veränderungen im Grundbesitze von Einfluß sein. Das Getreide wurde Gegenstand der Spekulation und es gab oft Teuerungen mitten im Frieden in dem so reich gesegneten Lande.

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