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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-09-01 · Heft 9 (1.9.1900) · p. Seite 214

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 9 (1.9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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zu fixieren, nur die betreffenden Typen, die selbstverständlich an der Buchstabenfläche mit einer Farbe bestrichen waren, zu gebrauchen. — Der ungarische Kultusminister hat den jüdischen Oberrealschulprofessor Dr. Heinrich Aörösi zum königlich Ungarischen Schulinspektor in Budapest ernannt. — Der gewaltsame Tod König Humbert's durch die Hand eines anarchistischen Meuchelmörders hat in allen Ländern schmerzlichste Teilnahme hervorgerufen. Er war ein edler gerechter liebevoller Fürst, unter dem auch die Juden sich frei bewegen konnten, denen jede staatliche Carrierc offen stand. Das Andenken des Gerechten bleibt zum Segen. — Die gegenwärtigen Wirren in China haben eine Mission zu Nichte gemacht, die unter dem Vorsitz des Chief Rabbi von England, Dr. Adler, geplant war und zu der die jüdische Gemeinde in Shanghai ihre Mitwirkung zugesagt hatte, nämlich die Erforschung der im Innern Chinas vorhandenen jüdischen Kolonien. Ueber die Juden in China schrieb der frühere deutsche Gesandte in Peking, Herr v. Brandt, am 14. März 1895 aus Wiesbaden: „Die Zahl der Juden, die in China nachweisbar ist, ist eine verschwindend kleine. Die früher bekannten Gemeinden sind in den letzten 20 Jahren sehr zurückgegangen und fast ganz verschwunden." Es ist aber schwer, selbst wenn man, wie Herr v. Brandt längere Zeit in China gelebt hat, aus dem Innern dieses großen Reiches irgendwie zuverlässige Angaben zu sammeln. Namentlich sind genaue Ziffern über die dortige Bevölkerung kaum erhältlich. Die älteste fast 2000jährige Kolonie der Juden in China befindet sich in Kai-föng-fu; außerdem gibt es Gemeinden in Shanghai und Hongkong und fünf Gemeinden in Cochin an der Küste von Malabar. Von dem Sitz einer alten jüdischen Gemeinde in Kai-föng-fu berichtet zuerst Trigaltius in seinem Werke „De expeditione Sinica“ im Jahre 1617. Ein Jude dieser Stadt war zu Pater Ricci nach Peking gekommen und hatte ihm (für die europäischen Glaubensgenossen) Kopien der heiligen Schrift (der chinesischen Juden) mitgebracht. Menasse ben Israel berichtet hierüber in seiner Schrift „Mikweh Israel": „Ich habe die Abschriften, welche nach Holland geschickt wurden, gesehen: sie enthalten ganz genau den Text unseres Pentateuchs." Aus den Berichten der Missionare und Reisenden geht hervor, daß in China eine beträchtliche Anzahl Juden wohnt, die niemals von dein Stifter der christlichen Religion etwas gehört hatten, und nach Ansicht der Missionäre Abkömmlinge der verschollenen Stämme Israels sind. Dagegen bemüht sich James Fien (London 1848) nachzuweisen, daß die Juden in China dem Stamms Juda angehören, was er namentlich daraus folgert, „daß in. ihren Schriften von Esra die Rede ist, daß sie das Buch Esther besitzen, die sesimdische Zeitrechnung bei ihnen gilt und dergleichen mehr." Auch Delitzsch beschäftigt sich in seiner „Geschichte der nachbiblischen jüdischen Poesie" mit den Juden von Kai-föng-fu. Von den Chinesen werden sie, wie die Muhammedaner Hoei-Hoei genannt, sie selbst aber nennen sich Tiao-kin-kiao. Pater Jgn. Kögler hat einen eigenen Aufsatz ihren heiligen Schriften gewidmet: „Die Juden in China teilen die

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