Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
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Rabbiner Dr. Rosenzweig die Gedächtnisrede hielt. — Man schreibt uns ans Budapest: Die Direktion der isr. ungarischen LitteraturGesellschaft hat in ihrer letzten gehaltenen Sitzung auf Grund der überaus günstigen Urteile der Preisrichter Dr. Wilhelm Dächer, Dr. Heinrich Sloch und Dr. Franz Me;ei der eingelaufenen Arbeit über die Organisation der Juden Europas den Preis von 1000 Krone» zuerkannt. Bei Eröffnung des Devissenbriefes ergab sich, daß Dr. Ludwig Venetianer Oberrabbiner in Neupest der Verfasser der vielbelobten Arbeit ist. — In einem Artikel „Aus der Arbeit" in Galizien in Nathanael S. 83 heißt es: Die Frau Höne sehr aufmerksam zu, stellte Fragen, machte Einwände, die auf ein gewisses Nachdenken und einen Grad religiöser Bildung hinwiesen, den man sonst bei den Frauen der ärmeren jüdischen Klassen nicht findet. Es stellte sich dann heraus, daß sie eine „Firsugerin" eine Vorsagerin ist. d. h. eine Person, welche des Lesens kundig ist lind darum in der Synagoge den anderen Frauen, die selten lesen gelernt haben, die Gebete vorliest. Pflicht der Uebrigen ist es, dabei möglichst laut zu seufzen, zu weinen und zu jammern, gleichgültig, welches der Inhalt der Gebete ist. Ihr Geschrei muß die Stimme der Vorsagerin übertönen, das ist ihr Gottesdienst. Machen sie's freilich gar zu laut, so ruft man ihnen aus der Männerschul kräftig zu: Scha, Scha, Waber! „Stille, ihr Weiber." — Dem Maler PH. Las;lo in Dudapest ist von der Jury der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille zuerkannt worden. — Die Lipto Szt-Mikloser Kultusgemeinde faßte den Beschluß, das Legat von Philipp Her; zur Errichtung eines jüdischen Gymnasiums zu verwenden. Die Deligierten der Regierung befürworten diesen Plan beim Kultus-' und Unterrichtsministerium. — Aus Wien schreibt uns Herr Religionslehrer L. Mesner: Anläßlich der Gutcnberg-Festlichkeiten, welche in der abgelaufenen Woche stattgefunden haben, möge auf folgende Talmudstelle hingewiesen werden. Tractat Joma 38 a berichtet die Mischna von einem gewissen Bar-Kamzar, daß er eine in der Schreibkunst gemachte Erfindung nicht mitteilen wollte, weshalb auf ihn anzuwenden ist „der Name der Gottlosen verweht." (Spr. 10. 7.) Der Talmud fügt ergänzend hinzu: man erzählt von ihm, (Bar-Kamzar) daß er zwischen seine fünf Finger vier Federn steckte und ein vierbuchstabiges Wort mit einem Zuge (b’bath achath) zu schreiben im Stande war. Sollte in Bar-Kamzar vielleicht schon jene Idee gedämmert haben, die Gutenberg auf die beweglichen Buchstaben beim Buchdruck geführt hat? Gemäß dieser Annahme würde sich das Kunststück des Bar-Kanizar, das seinerzeit so große Bewunderung erregte, auf die einfachste Art erklären lassen, ohne an eine kaum glaubliche Geschicklichkeit denken zu müssen. Die vier Stifte des Bar-Kamzar waren nämlich nichts anderes, als Stäbchen in der Form von Federn, an deren unterer Fläche ein erhabenes Buchstabenbild, genau so, wie bei unseren Drucktypen, eingeschnitten war. Wahrscheinlich besaß der geniale Mann für jeden Buchstaben des Alphabets einen oder mehrere solcher Stifte, und er hatte, um ein beliebiges vierbuchstabiges Wort auf einmal