Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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‘ — 212 —?■ f gethan, indem ich die Geistlichen-Kollegen meiner Diözese, sowie die Gläubigen zur Ruhe gemahnt und es verhindert habe, daß die Verirrung der Volksmassen größere | Dimensionen annehme. Es freut mich sehr, daß die Herren erschienen sind, und ich | erwidere die schöne Ansprache des geehrten Redners mit patriotischen und religiösen I. Empfindungen. Ziehen Sie doch auch Ihre Begeisterung aus einer Religion, welche I die Grundlage unseres Glaubens ist. Aus einer Quelle schöpfen wir und einem § Ziele streben wir zu: das ist unser Aller Sehnsucht zu Gott. Die Verherrlichung | Gottes bleibt unser gemeinsames Streben, diese äußert sich aber zu allererst und f hauptsächlich in der reinen gegenseitigen Liebe und Wertschätzung. Und wenn in t dieser Beziehung gewisse Vorurteile noch wahrnehmbar sind, so bestreben Sie sich sdoch nur weiter 'bei treuem Festhalten an der eigenen Religion, die Sache des ungarischen Nationalstaates mit allen Kräften zu fördern. Erziehen Sie Ihre - Söhne in diesem Geiste und das friedliche Einvernehmen wird sich auch dadurch i besser gestalten, was ich vom Herzen wünsche und hoffe. Ich danke Ihnen nochmals, geehrte Mitbürger, für Ihr freundliches Erscheinen. — In Debreefin wurde am l: 29, Juli das fünfundzwanzigjährige Priesterjubiläum des Bischofs Ferdinand Wolafba i gefeiert. Der Jubilar empfing bei diesem Anlasse zahlreiche Deputationen, darunter l auch eine Abordnung der Kultusgemeinde, ivelche unter der Führung des Oberj Rabbiners Wilhelm Kraus erschienen war, um dem Bischöfe ihre Glückwünsche; darzubringen. Aus die Ansprache des Führers dieser Deputation erwiderte Bischof |, Wolafka: „Es war stets mein Hauptbestreben, daß wir uns hienieden gegenseitig E lieben und schätzen als Kinder eines himmlischen Vaters. Diese Liebe und Wertf schätzung pflege ich und pflegen meine Gläubigen auch gegen die Israeliten. Möge j uns Gott davor bewahren — wenn aber dennoch Umstände eintreten sollten, welche l; - diese Liebe gefährden, wenn sich schurkische Seelen finden sollten, Ivelche frevlerisch | mit Heiligtum schändendem Sinne trachten würden, Christen gegen Nichtchristen zu hetzen, so würde ich niemals Racen-, Religions- und Klassenunterschiede beachten, t. sondern nur die Liebe, und ich wäre bereit, selbst mit meinem Blute das zwischen j" uns bestehende gute Einvernehmen zu verteidigen." Der Bischof umarmte und | küßte den Rabbiner beim Empfange und beim Abschiede herzlich. — Dem Dichter Ludwig Paladi in Kudapest wurde für sein Drama «die Römischen Sklaven" von der königlichen Akademie der Wissenschaften der Ehrenpreis zuerkannt. Er hat sich früher durch Uebersetzung hebräischer Dichtungen ins Ungarische in weiteren Kreisen bekannt gemacht. —' Man schreibt uns: Am 22. Juni starb der Rabbiner! der israelitischen Gemeinde in Wen, Herr Dr. Rafael Goldberg, geboren in j Papa 1841 und am 24. Juni wurde auf dem Friedhofe in Hndapest dem unvergeßlichen Prof. David Kaufmann ein Denkstein gesetzt. Herr Dr. Kosenthal ' aus Kreslau, der Schwager des Heimgegangenen, wies in einer Rede auf die hohe Bedeutung Kaufmanns für die jüdische Wissenschaft hin. In Kojctein, dem Geburtsorte Kaufmanns, fand am 25. Juli eine Trauerandacht statt, bei der Herr