Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Frauen sehr beliebt. Am Sabbath, wo das Spiel eigentlich verboten ist, machte man dem Schach gegenüber eine Ausnahme und spielte an diesem Tage mit silbernen Figuren. Die Rabbiner im Mittelalter eiferten gegen das Spiel, weil man anfing es um Geld zu spielen, was bekanntlich in der Regel nicht der Fall ist. Als um die Mitte des 15. Jahrhunderts die Spielkarten aufkamen, wurden sie bald von den Juden bevorzugt. lieber das Schachspiel schrieben jüdische Gelehrte des Mittelalters, wie z. B. Jbn Esra, Abu Jachia u. a. Abhandlungen und Spielregeln, und ein „Midrasch des R. Simon aus Mainz" erzählt von einem Papste, der der jüdischen Gemeinde ein wertvolles Spiel zurückerstattete. — Man berichtet: Fräulein Fritzi Schelf, aus Frankfurt a. W. erfreute sich an der Conventgarden-Opera in London, wo sie in deutscher, italienischer und französischer Sprache gesungen, der größten Beliebtheit. Am 17. Juli wurde der Künstlerin die Ehre zu Teil, in einem Private Drawing Room bei der Königin Victoria in Windsor mitzuwirken. Fräulein Scheff erregte auch hier das Entzücken aller Hörer, namentlich der Königin selbst, welche Fräulein Scheff das Kompliment machte, zu den wenigen ihr bekannten Sängerinnen zu gehören, die „Mozart wirklich zu singen verstünden." Die Monarchin ließ Fräulein Scheff ein kostbares Armband mit ihren Initialen in Brillanten übermitteln. — Jüngst erschien zur Begrüßung des Kölner Erchischofs eine Abordnung der dortigen jüdischen Gemeinde. Der Erzbischof antwortete, auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Frank mit folgenden Ausführungen: „Er werde wie bisher den Israeliten die wohlwollendste Gesinnung entgegenbringen. Wie einst vor 2000 Jahren einer der größten Männer des jüdischen Stammes in seinem Sendschreiben an die Römer hervorgehoben habe, indem er fragte: «Was haben die Juden vor den Heiden voraus?" und antwortete: „Sie haben den Vorzug, daß sie im Besitze des Gotteswortes sind", und ein anderes Mal, „daß sie das Volk des Bundes sind", so erkenne auch er (der Erzbischof) diesen Vorzug des israelitischen Volkes an. „Sie sind nun einmal das von Gott auserwählte Volk, von ihm ausgezeichnet durch den Besitz des Gotteswortes und der Verheißung des Heils für die ganze Menschheit." Von diesem religiösen Standpunkt aus sei seine Stellung gegen Israel gegeben und vom christlichen Grundgesetze der Liebe bestimmt. So wie er. denke jeder katholische Bischof. Diese Gesinnung werde er den Israeliten der Diözese bewahren und gegebenenfalls praktisch bethätigen. Der Erzbischof schloß: „Und wenn auch einstweilen bezüglich des religiösen Glaubens eine Scheidewand uns von Ihnen trennt, so halten wir doch an der Hoffnung fest, daß die Zeit kommen wird, wo es einen Hirten und eine Heerde geben werde." — Einer Deputation unter Führung des Oberrabbiners Herowitz aus Also Kubin hat der Zipser Bischof Paul Szmrecsanyi ans die an ihn gehaltene Ansprache folgendes erwidert: Mit tiefgefühltem Danke nehme ich die warme Begrüßung des sehr geehrten Redners entgegen. Der Hinweis auf den Hirtenbrief berührt mich angenehm, aber dafür gebührt mir kein Dank. Ich habe blos meine Pflicht