Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Auch sie mögen hier auf Grund unparteiischer Zeitungsberichte wiedergespiegelt sein: „Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Gemeindekollegiums nahm Vorstand Seyboth (vieljähriger freisinniger Landtagsabgeordneter für München) das Wort, um mit dem Ausdruck tiefgefühltesten Schmerzes der schweren Verluste zu gedenken, die die Stadtgemeinde in den letzten Tagen erlitten habe. Mit dem am Freitag verschiedenen Kommerzienrat L. Neichenberger habe der Magistrat ein mit hervorragenden Geistesgaben, außerordentlichem Fleiße und großer Liebenswürdigkeit ausgestattetes Mitglied verloren, das sich durch diese Eigenschaften das Vertrauen und die Zuneigung aller Kollegen erworben habe. Der Verstorbene habe sich auf das Lebhafteste für alle Fragen interessirt, die die Stadtgemeinde berührten, und sein umsichtiger, weiser Rat in Finanzfragen habe der Gemeinde die segensreichsten Früchte getragen. Sein ganzes Streben sei von dem Wunsche geleitet gewesen, die Interessen und die Wohlfahrt der Stadt München auf das Kräftigste zu fördern. Mit dem am folgenden Tage verstorbenen Baurate Aug. Voit sei ein weiterer um München hochverdienter Mann zur letzten Ruhe eingegangen, der zu allen Zeiten mit unermüdlichem Fleiße bestrebt gewesen sei, seinen Dienstesobliegenheiten nachzukommen und dessen großes Wohlwollen, mit dem er scheinbare Härten der Bauvorschriften auszugleichen verstand, ihm die Achtung aller Kreise eingetragen habe. Zum Zeichen der Zustimmung und' der Teilnahme erhoben sich die Mitglieder des Kollegiums von den Sitzen." „Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Magistratssitzung widmete Bürgermeister v. Borscht dem verstorbenen bürgerlichen Mitglied des Magistratskollegiums Kommerzienrat Reichenberger einen besonders warm und herzlich gehaltenen Nachruf, dem wir u. A. Folgendes entnehmen: Der Dahingeschiedene war uns Allen ein treuer Kollege, ein aufrichtiger Freund, ein hingebungsvoller Mitarbeiter. Ausgestattet mit reichen Geistesgaben und hervorragenden Charaktereigenschaften hat er sich zu einem der geachtelten Bürger unserer Stadt emporgerungen, der seine Erfolge im Geschäftsleben seiner umfassenden Bildung, sein Ansehen in erster Linie seiner eigenen Kraft und Thütigkeit zu danken hatte Sein vielseitiges Wissen, sein weiter Blick, seine Erfahrungen, seine außerordentlichen Kenntnisse insbesondere auf dem Gebiete des Finanzwesens haben ihm in unserem Kreise eine hervorragende Stellung gesichert. An allen das Wohl und Wehe der Stadt München berührenden Fragen nahm er den lebhaftesten Anteil. Wohl keine irgendwie wichtige Frage dürfte den Magistrat beschäftigt haben, für deren ersprießliche Lösung er nicht mit der ganzen Kraft seiner Ueberzeugung eingetreten wäre. Unvergessen wird ihm stets sein energisches Eintreten für die Einführung der geräuschlosen Pflasterung, der elektrischen Straßenbeleuchtung und des elektrischen Trambahnbetriebes bleiben, und mit den mannigfachen Verbesserungen, die unser Sparkaffenwesen im letzten Dezennium erfuhr, ist sein Name unzertrennlich verbunden. Gegenstand seiner besonderen Fürsorge war stets das Finanzwesen der Stadt, wobei er zu jeder Zeit für eine weise Sparsamkeit im Gemeindehaushalte. für die Förderung des Kredites der Stadt eingetreten ist. Durch die auf seine Anregung im Jahre 1894 beschlossene Konvertirung von 81/* Millionen Mark vierprozentiger Anlehen in 3V»prozentige hat er der Stadt eine Summe von mindestens 1,500.000 Mark ohne Einrechnung der Zinsen erhalten. Seine Ausführungen waren stets klar und prägnant und bei aller Entschiedenheit und Wärme stets vornehm und sachlich. Seiner Natur widersprach es, anders Denkende in ihrer Ueberzeugung zu verletzen. Versöhnlich und entgegenkommend in seinem ganzen Wesen, edel und wahr in seinem Denken, uneigennützig und selbstlos in seinem Handeln, mochte er im Leben wohl politische Gegner, aber keine Feinde haben. Sein Andenken wird für immerdar gesegnet sein, sein Name allzeit in Ehren genannt werden, wenn von den Männern die Rede ist, die sich um München große Ver-