Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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hatte den Heimgegangenen das Vertrauen seiner Mitbürger in das Magistratskollegium beordert, nachdem er schon seit vielen Jahren eine segensreiche Thätigkeit in der Handels¬ und Gewerbekammer für Oberbayern und als Handelsrichter entfaltet hatte. Dem Rathaus widmete er gerade in den letzten Jahren seine Hauptthätigkeit. Da er sich schon seit einigen Jahren von seinem bürgerlichen Berufe zurückgezogen hatte, konnte er seine ganze Kraft der ihm so lieb gewordenen Thätigkeit für die Gemeinde widmen. Was er da geschaffen und geleistet hat, ist stets anerkannt worden und wird unvergessen bleiben. In allen bedeutsamen Fragen ergriff er das Wort und häufig haben seine klaren und präzisen Worte den Ausschlag gegeben. Seine Sparten, wie das Kaffenwesen, die Sparkasse, Handelsschule, Simultanschule II u. s. w., verwaltete er ebenso sachkundig wie gewiffenhaft. Er war stets bedacht auf die Hebung des Verkehrs nnd die Verschönerung der Stadt. Besonders energisch trat er für die Ausdehnung der elektrischen Beleuchtung, der elektrischen Trambahn und des geräuschlosen Pflasters ein. Das städtische Kaffenwesen verdankt ihm viele Verbefferungen; die Sparkasse wurde unter ihm eine Musteranstalt. Überall uneigennützig freundlich und wohlwollend, im Stillen äußerst wohlthätig, war er eine Zierde unserer Münchener Bürgerschaft. Zu Neujahr 1897 wurde der hochverdiente Mann durch die Verleihung des Kommerzienratstitels ausgezeichnet. Die liberale Partei Münchens verliert in ihm eines ihrer thätigsten und hervorragendsten Mitglieder, die Stadt München einen aufopferungsvollen Bürger, seine Angehörigen einen braven Familienvater. Reichenberger wurde am 17. Juli 1842 zu Jchenhausen geboren, erreichte somit nur ein Alter von 58 Jahren." Über das am 17. Juni stattgefundene Leichenbegängnis reproduzieren wir folgendes völlig ungefärbte Referat: „Am Sonntag Nachmittag um 4 Uhr wurde auf dem israelitischen Friedhofe Magistratsrat, Handelsrichter und Mitglied der Handelskammer für Oberbayern, Herr Kommerzienrat Louis Reichenberger, zu Grabe getragen. Eine große Anzahl Leidtragender aller Stände und aller Konfessionen war zu der ernsten Feier gekommen, dem die letzte Ehre zu erweisen, der in treuer Pflichterfüllung so glänzend das Vertrauen seiner Mitbürger gerechtfertigt hatte. Fast vollzählig war der Magistrat und das Gemeindekollegium erschienen, an deren Spitze erster Bürgermeister v. Borscht, die Vorstände des Gemeindekollegiums Seyboth und Hergl und die Rechtsräte Haindl, Wölzl, Heilgemayr, Dr. Menzinger und Panzer. Ferner waren erschienen Landgerichtspräsident Wünsch mit Landgerichtsdirektor Federkiel und zwei Landgerichtsräten, der Rektor der städtischen Handelsschule, Dr. Ritz, mit drei Professoren der Handelsschule, Inspektor Rudelsberger von der Simultanschule II, und eine Deputation der Handels- und Gewerbekammer für Oberbayern mit Kommerzienrat Weidert und ihrem Sekretär, Rechtsanwalt Dr. Kahn. Unter den übrigen Leidtragenden befanden sich der Nestor der liberalen Partei, Schriftsteller Vecchioni, Intendant v. Possart, Trambahndirektor Hippe und eine große Zahl von Rechtsanwälten' Den Sarg deckten prächtige Blumenspenden des Magistrats und des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten, des Bürgermeisters v. Borscht, der Redaktion und des Verlages der „Münchner Neuesten Nachrichten", der Intendanz des k. Hoftheaters in Stuttgart. Das Grab selbst war mit einer Unzahl von Blumengewinden umgeben, darunter Kränze der Lagerhausverwaltung, des städtischen Kinderasyls, der Direktion und der Prokuristen der Bayerischen Bank, des Richterkollegiums des Landgerichts München 1 und vieler Anderer. Die Trauerrede hielt vor dem Leichenhause Herr Rabbiner Dr. C. Werner, der darauf hinwies, wie wohl nicht überraschend als Abschluß eines langen Leidens der Tod an den nun Ruhenden herantrat, wie er aber doch immer noch zu früh ein thatenreiches