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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-09-01 · Heft 9 (1.9.1900) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 9 (1.9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 mehr Nachsicht ertrug, als für die Sache des Aufstandes nützlich war. Wirklich gelang es ihr bald, eine römische Besatzung aufzunehmen und sich dadurch vor dem Aufständischen in Sicherheit zu bringen. Hieraus und aus anderen Vorfällen scheint man dem Josephus einen starken Vorwurf gemacht zu haben. Aber er wußte, wie er berichtet, alle Ränke feiner Gegner zu Schanden zu machen, schickte die Kommission unverrichteter Sache wieder heim, nötigte den Johannes Frieden zu halten und unterwarf das abtrünnige Tiberias zu wiederholten Malen. Dergestalt verging die Zeit, bis im Frühjahr 67 der neue Feldherr des jüdischen Krieges Flavins Vespasianus, zur Unterdrückung des Aufstandes in Galiläa einrückte. Josephus mußte sich in die Bergfeste Jotapata zurückziehen, die er wie er erzählt, mit der äußersten Tapferkeit verteidigte (4. Juni bis 26. Juli 67), aber endlich räumen mußte. Er floh mit anderen in eine Höhle und wußte es so einznrichten, daß er übrig blieb, als die Römer das Versteck entdeckt hatten und von den Juden beschlossen wurde, nach dem Los sich gegenseitig zu töten, worauf er den schon vorher gehegten Plan ausführte und sich Vespasian auslieferte. Daß er ihm die Kaiserwürde prophezeite, rettete ihm das Leben, er folgte in Ketten dem Heere, wurde für frei erklärt, als sich seine Weissagung für Vespasian erfüllt hatte, machte in der Umgebung der Titus die Belagerung von Jerusalem mit. Die Belagerung hat er als Dolmetscher und Unterhändler im römischen Lager ganz mitgemacht. Mehrere Male versuchte er, auf Titus Geheiß die Juden zur Ergebung zu bewegen; die Ansprachen die er gehalten haben will, finden sich in seinem Werke- Man kann sich denken, daß er bei den Juden nicht beliebt war. Wir glauben ihm gerne, daß er während und nach der Belagerung manche seiner Landesleute gerettet hat. Er selbst, begleitete den Titus nach Rom, wo er den Triumph der beiden Kaiser erlebte. Vespasian ließ ihn in dem Hause wohnen, das er vor seiner Thronbesteigung besessen hatte und erteilte ihm das Bürgerrecht, so daß er fortan Flavius Josephus hieß. Auch Titus und Domitia schenkten ihm ihre Gunst. Gelegentliche Anklagen erbitterter und mißgünstiger Juden unter Vespasian und Domitian hatte keinen Erfolg. Josephus lebte wie es scheint, als reich begüterter Mann in Rom ein behagliches Leben. Für seine entwerteten Besitzungen in und bei Jerusalem wurde er von Vespasian reichlich entschädigt. Auch häusliches Glück ward ihm nicht versagt. (Schluß folgt.) Louis Weichenberger. Wenn in irgend einer Gegend des Reichs ein Israelit stirbt, dem es vermöge hervorragender Fähigkeiten und besonderer Glücksumstände vergönnt war, nach erfolggekröntem Emporstreben von unten auf in weiten Kreisen und auf dem Parkett der großen Welt eine bedeutsame und anerkannte Rolle zu spielen, so muß die ganze deutsche Judenheit Kenntnis davon nehmen. Einesteils weil wirklich

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