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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-09-01 · Heft 9 (1.9.1900) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 9 (1.9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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-:1 ' v - T'*’: — 198 — einschärfen Deinem Sohne die Lehre, sagt die heilige Schrift nachdrücklich, nicht ihm sie oberflächlich mitteilen, daß die Worte fruchtlos verhallen, Du sollst davon reden, wenn Du in Deinem Hause sitzest und wenn Du auf dem Wege gehest, bei Deinem Niederlegen und bei Deinem Aufstehen, ja Du sollst so lange davon reden, bis Dein Kind von der Hochwichtigkeit Deiner Lehre durchdrungen ist, sollst sie durch Dein eigenes Beispiel so anschaulich, so eindringlich machen, bis sie in Fleisch und ■ Blut Deines Kindes wird übergegangen, bis sie mit seinem Wesen unzertrennlich wird verbunden sein. Wer unsere Zeit nur einigermaßen kennt, der wird mit mir einverstanden sein, daß der Jugend sorgfältiger als je, jene ewig gültigen Wahrheiten eingeschärft werden müssen, weil der menschliche Geist, der immer unabhängiger und selbständiger sich zu erweisen sucht, täglich den göttlichen Ursprung religiöser Institutionen in Frage stellt und angreift, welche früher mehr oder weniger sichere Anknüpfungs-Punkte für praktisch religiöses Leben darboten. Weil aber wie wir schon gesagt haben, die sinnlich kindliche Natur sich nicht zur Höhe des reinen i Gedankens zu erheben vermag, darum. muß das Bestreben des Lehrers dahin , j gerichtet sein, die Idee des Guten der Tugend und der Gottesfurcht in allen noch geltenden religiösen Institutionen, das was ursprünglich sie hervorgerüfen, nachzuweisen, in ihnen mehr das allgemein sittliche als das nationale Moment hervotzuheben, zu zeigen, daß äußere Verhältnisse oft Einrichtungen nötig machen die unter veränderten Verhältnissen überflüssig werden oder auch sich anders gestalten müssen, gleich wie man anders bei Kälte, Sturm und Regen, anders bei Wärme oder Sonnenschein sich zu kleiden pflege, daß die äußeren Formen der religiösen Idee, wie alles Äußerliche und Irdische einer bestimmten Zeit angehören und der Veränderung unterworfen sind, während die Ideen selbst, der Geist der Religion ewig ist, ewig wie Gott, von dem er ausgeht, von Gott der Quelle alles Lebens, von dem unsere vernünftige Seele gekommen, durch welche wir Licht uud Tugend erschauen: „Denn bei Dir ist der Quell des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir Licht." Und um jenen unendlichen Geist ahnen zu lassen, dazu dient vorzüglich die Geschichte, in welcher uns so deutlich eine erhabene Gerechtigkeit eine gütige Vorsehung sich zeigt, und aus der Geschichte soll die Jugend erfahren das Schicksal des jüdischen Volkes, das Schicksal seiner Religion das Ewigbleibende in derselben, den Geist, und das Vergängliche, damit jene begeistert werde für den Geist, den Geist der Gottesfurcht, Liebe und Sittlichkeit. Also Begeisterung für das Gute, das muß stets der Grundsatz der Erziehung sein, und wenn Liebe zur Tugend das junge Herz durchwärmt hat, dann kommt es auch auf eine Form mehr oder weniger, so oder so ausgedrückt gar nicht mehr an; denn gleich wie bei dem lichtverbreitenden Aufgange der majestätischen Sonne, die unendliche Zahl der Sterne, die während des nächtlichen Dunkels schimmerten, für uns ihr Licht und ihren Glanz verlieren, verschwinden, also verschwinden vor der ausgehenden Sonne

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