Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 197 — sie auf einem Boden entsprossen, der ihrer Entwickelung günstig war, auf unserem : Boden aber nur mühsam fortkommend endlich verkümmern. Nein! auch diese sollen auch dieses dürfen wir nicht, weil diese Lehre nicht in ihrem ganzen Umfange der Wahrheit gemäß ist, und weil wir Gefahr laufen würden, der Jugend allen Religionsunterricht zu verleiden, denn das Kind, das.in Allem lebendige Anschauung will, ist noch für keine abstrakten Wahrheiten empfänglich, und weil mehr auf das Gemüt als auf den Geist der Kindheit moralisch gewirkt werden muß. Sollen wir sie lehren, daß diese und jene religiöse Form ihre Bedeutung verloren, diese und jene aber noch volle Bedeutung habe, daß dieses das Wichtigere jenes das minder. Wichtige, dieses mehr Hauptjenes mehr Nebensache sei? Ja dies sollten wir, denn dieses ist eine bereits ausgemachte Sache: aber gibt es hier eine bestimmte Grenze, bis hierher und nicht weiter? gibt es nicht verschiedene Standpunkte, von welchen aus ein Gegenstand verschieden sich zeigt. Hier sitzt das Uebel, .hier die Schwäche des gegenwärtigen Religions-Unterrichtes, hier zeigt sich jene Ungewißheit, und Unsicherheit über das wie weit? jenes Schwanken, das in der Erziehung nicht selten von üblen Folgen ist, ein Mißstand der beseitigt sein wird, wenn die kämpfenden Elemente der Gegenwart mit dem Siege des Besseren zur Ruhe gekommen sein werden. Ja! wir müssen es gestehen, es fehlt ein sicherer leitender Grundsatz, wir ermangeln gegenwärtig noch des sicheren, festen Bodens, den zu gewinnen, noch der Umstand erschwert, daß in den verschiedene» Familienkreisen, so verschiedene ja oft . entgegengesetzte Grundansichten über Religions-Verhältnisse obwalten. Freilich ist dieses ein Uebel, das für den Augenblick nicht gründlich behoben werden kann, und die Hoffnung, daß es einmal durch den geschicktesten Arzt, durch die Zeit gehoben werden wird, vermag freilich nicht den Mangel in der Gegenwart zu ersetzen, allein es ist dies einmal eine Erscheinung, die sich in allen Uebergangsperioden zeigt, in Perioden, die zwischen zwei Mächten in der Mitte stehen, von denen eine jede ihren Einfluß geltend zu machen trachtet. Aber den unberechenbaren Vorteil bringt jede lebendig erregte Zeit mit sich, daß sie anregt, Kräfte erweckt, daß sie etwas - ■■■ Begeisterndes hat, und die Begeisterung ist es, die Begeisterung für das Gute, die Begeisterung für das Unsterbliche der Tugend, die Begeisterung für Großes und Erhabenes, die stets am besten, am nachhaltigsten wirkt. Wohlan! Ihr Alledenen das Glück zu Teil geworden, Kinder zu erziehen, Ihr Alle, denen Gelegenheit gegeben ist, Kindern das Wertvollste, eine gute Erziehung zu geben, streuet in die Brust der Kleinen, den Samen für das Gute, den Samen für die Tugend, ja lehrt die Tugend, die thatsächliche Tugend um ihrer selbst Willen unter allen Ver- - hältnissen zu lieben, aber es muß mit Wärnie geschehen, muß mit Begeisterung geschehen, der Funke muß zünden, das Herz muß höher schlagen, und alsdann werdet ihr eine Gesinnung ersprießen sehen, die in allen Veränderungen, die auch im Äußeren Vorgehen mögen, feststeht wie ein in das weite Meer hinausragender Fels, an den die bewegten stürmischen Fluten vergebens anschlagen. Du sollst sie