Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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191 gegen Jedermann mit Entschiedenheit auftreten würden, der es versuchen wollte, religiöse Zwietracht zu erwecken." Diese Worte Sr. Eminenz wurden mit allgegemeinem enthusiastischen Beifall aufgenomnien. Hierauf sprach Mr. Daniel O'Connor, ein hervorragender Politiker und Führer der katholischen Partei wie folgt: „Das Lob, das Se. Eminenz den Töchtern Israels gezollt hat, war ebenso liebenswürdig als gerecht. Es war mir ein besonderes Vergnügen, die Worte des Kardinals zu hören. Als die große Ausstellung in St. Mary's Cathedra!, einige Monate vor Eröffnung und Einweihung des Gebäudes abgehalten wurde, zeichneten sich die jüdischen Damen durch ihre persönlichen Bemühungen und ihre Hochherzigkeit aus. Bei dieser Gelegenheit hatte ich die Ehre und das Vergnügen den jüdischen Damen im Namen des Vorgängers Sr. Eminenz und dem der katholischen Gemeinde zu danken. Was die jüdische Großmüthigkeit betrifft, so zeigt die Geschichte eine sehr löbliche Häufigkeit derselben. Ich hoffe, daß Se. Eminenz nach andern Ländern reisen und es dahin bringen werde, daß jene Leute, die gegen Juden Gehässigkeit entfachen, sich einer solchen Handlungsweise werden schämen müssen. — Meferate und Mitteilungen. „Leger, Wanderftab und Sterne" Gedichte von Leo Steruberg, Wiesbaden. Verlag von Heinrich Staadt Preis 2,50 M. eleg. geb. 3,00 M. Der heurige Wonnemond hat an dem ewig treibenden Stamme der deutschen Poesie ein Reislein zum Blühen gebracht, das das geistige Auge eines jeden Beschauers in verklärender Freude erglänzen lass« muß. — Den Titel zu seiner Gedichtsammlung, mit welcher der Verfasser — der übrigens aus dem Aufsatz „Heine als Jurist" den Lesern dieser Zeitschrift bekannt sein dürfte — zum ersten Male in dieser Weise vor die Öffentlichkeit tritt, hat der Dichter deshalb gewählt, weil in dem Trifolium Leyer, Wanderstab und Sterne für ihn „der Sonnenschein der Welt" liegt. Ja, Sonnenschein ist es, der aus den Liedern des jungen Dichters spricht; doch nicht jener Pseudosvnnenschein, der in den sogenannten Gedichten jener Vielzuvielen, die in jedem Frühjahr Lust auf Brust und Herz auf Schmerz reimen, ein Treibhausleben führt: nein der Sonnenschein verklärender und aufrichtiger Kunst ist es, der aus diesen Liedern strahlt; und die warnien Töne echt dichterischen Empfindens lassen in unserem Innern die gleichen Akkorde erklingen. Denn nichts Anempfundenes ist es und nicht Erkünsteltes, was uns der Dichter bietet: wahres Leben klingt aus seinen Worten; stets überkommt einen beim Lesen die Überzeugung wieder, das ist nicht erdichtet, es ist erlebt. Wie sich Daphne vor Apoll in Lorbeer, so wandelt sich bei ihm das Erlebnis zum Gedicht. Dabei kommt ihm ein tiefer verständnisinniger Blick für's Leben und ein reger Sinn für die Natur herrlich zu statten. Es ist nicht Zufall, wenn so ziemlich das