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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-08-01 · Heft 8 (1.8.1900) · p. Seite 187

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 8 (1.8.1900)
Date
1900-08-01
Page
Seite 187 (sequence 19)
Language
German
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187 — schon in seiner Frühzeit musikalische Eindrücke empfangen die in seinem späteren hervorragend künstlerischen Wirken unverkennbar hervortreten. Der biblische Stoff den er in der „Königin von Saba" bearbeitet, durch welche Oper er mit einem Schlage in die vorderste Reihe der deutschen Opernkomponisten gestellt wurde, ist mit der ganzen Glut seiner Leidenschaft und seiner Liebe für die Geschichte des jüdischen Volkes erfüllt. Goldmark's Tonstücke haben das Gefühls-Tremolo der Synagogentradition an sich, sie spiegeln die Musik der Diaspora wieder, die in einem unsagbaren Sehnen sich kundgibt, aber auch der jüdische Optimismus kommt in seinem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck. In einem Alter, da Andere mürrisch und schweigsam werden, sprudelte aus Goldmarks Geist mit köstlicher Laune eine komische Oper hervor, und hat er durch sein „Heimchen am Herd" Blüten gepflückt, 'die uns ergötzen und entzücken. Außer diesen Opern und Merlin hat Goldmark, der schon in seine erste Komposition „Sakuntala" seine ganze Eigenart hineingetragen, eine Anzahl Lieder, Kammermusikwerke, Ouvertüren und Symphonieen geschaffen und den auch in Frankfurt a. M. zur Aufführung gelangten klassischen Einakter „die Kriegsgefangene." Goldmack gehört zu den Ausnahmen in der Künstlerwelt, denen die Jahre nichts von ihrer Schöpferkraft zu rauben vermöge». Möge dem jugendlichen Greise, der heute noch arbeitsfreudig und schaffenslustig ist ein frohes Alter beschieden sein. — Unter der Spitzmarke „Kessing in der Kauern, joppe" teilt man uns aus dem Maiheft des Roseggerschen „Heimgarten" folgende Geschichte mit, wie ein Bauer die Gleichwertigkeit der Kirchen und Religionen bewies. Der Mann sagte: „Es sind einmal ein Katholischer, ein Evangelischer, ein Jud und ein Heide in Streit gewesen, welche Religion die beste sei. Ter Katholische pries die Macht seiner Kirche, der Evangelische die reine Lehre, der Jud das Alter seiner Religion, der Heide meinte: Wenn er das gehabt hätte, was die anderen haben, so wäre seine Religion die beste- Den Streit schlichtete ein Unbeteiligter folgendere maßen: Der katholischen Relion gab er die Zahl 18, der evangelische» das Doppelte 36, der jüdischen wieder das Doppelte hiervon 72 und der heidnischen das Doppelte der jüdische» 144. Jetzt wollen wir die Rechnung machen, wessen Religion die besteist. Du, Katholischer, hast 18 oder 1+8=9; du, Evangelischer, 36:3+6=9; du, Jud, 72:7+2=9; du, Heide, 144: l+4+4=9. Am Ende hat jede Religion die Zahl 9: eine Religion ist wie die andere." — In Sielih starb Herr S. I. Halberstamm im 68. Lebensjahre. Von Beruf Kaufmann, hat der Dahingegangene, der aus einer alten Gelehrtenfamilie Krakaus stammte, schon in jungen Jahren mit der Sammlung einer Bibliothek begonnen, die mit der Zeit zu einem rechten Archiv der Wissenschaft des Judentums geworden war. Tie seltenen Schätze dieser großartigen Bibliothek stellte er Jedermann mit einer Liberalität ohnegleichen zur Verfügung, aber er selbst hat wohl diese Bibliothek am fleißigsten benntzt. So erwarb er sich eine geradezu phänomenale Kenntnis der jüdischen Literatur des Mittelalters in Wissen, das in seinen gelehrten Editionen von philosophischen nnd exegetischen

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