Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-08-01 · Heft 8 (1.8.1900) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 8 (1.8.1900)
Date
1900-08-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969879-2969888--6073-2975399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

/ — 180 — in Nr. 12: „Übrigens soll die gleiche Geschichte auch einem Gutsbesitzer im westpreußischen Borsteldorf passiert fei«, wie Herr P. Herold in Reichenberg bei Batzlow mir schreibt". Wie verdient sich aber die „Kleine" um die Aufklärung ihrer Leser macht, beweist auf's beste ihre Erwiederung auf folgender, ebenfalls in ihren Spalten befindliche Recension des Herrn Professor Schmidt über das Strack'sche Buch „Das Blut u. s. w.": eine wahre Fundgrube, belehrend, aufklärend frei von jeder Parteitendenz. Hierauf schreibt die „Kleine" wörtlich: „Blutaberglauben. In Nr. 19 der „Kleinen" wird von einem Prof. Schmidt das Buch von Strack „Der Blutaberglaube", 4. Aufl., München 1892, als „eine wahre Fundgrube, belehrend, aufklärend, frei von jeder Parteitendenz" empfohlen. Ich muß dieser Empfehlung entgegentreten, denn wenn das Strack'sche Buch (seitdem unter dem Titel „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" in 5. bis 7. Aufl. erschienen) auch eine Menge Stoff bietet, so ist es doch durchaus nicht tut wahren Sinne aufklärend und durchaus nicht frei von Parteitendenz; es ist vielmehr eine judenschützerische Parteischrift und bildet darum mit Recht die Nr. 14 der Schriften des „Institutnm 4uäLionm" in Berlin. Ich finde es geradezu schändlich, daß man jetzt wieder einmal alten Spuren des Blutaberglaubens in unserent Bolke nachgeht, ohne diese sehr deutlichen Spuren auch bei den Juden zu verfolgen. Blutaberglauben gab es bei allen bekannten Völkern, auch bei uns sind die Reste vorhanden, wie ein Blick in das Inhaltsverzeichnis des bekannten Werks von Wuttke „Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart" lehrt; aber daß in Deutschland von Deutschen und Christen ein Kind ermordet worden wäre, um mit seinem Blute Zauberei zu treibe«/ das ist einfach unerhört. Dagegen kennt unser Volk allenthalben den jüdischen Blntaberglauben. — Im Oberland, bei Freiburg, erzählte mir eine Bäuerin: jetzt in der Frühlingszeit gegen Ostern dürfe man die Kinder nicht ohne Aussicht laufen lassen, sonst bringen die Juden sie um. — Jst's nicht merkwürdig, daß schon vor 400—500 Jahren in Blutmordprozessen die Inden zugestanden haben, daß sie Christenblut brauchen (Dießenhofen 1401, Endingen 1470)? Jst's ferner nicht mir merkivürdig, sondern erschrecklich, daß in unserer Zeit um Ostern nicht selten solche Morde geschehen, bei denen unschuldiges Kinderblut, ohne Entdeckung des Mörders ungesühnt gen Himmel raucht. Freiburg i. B: F. R. Clerius." Hierzu bedarf es in unserer Zeit keines erläuternden Wortes. Und eine solche Zeitung maßt sich nun seit Pfingsten noch den Titel einer „Deutschen Dorf-Zeitung" an, mit dem Protest, daß sie sich durchaus nicht an „die kleinen Leute", sondern an „das ganze deutsche Land und die ganze deutsche Landbevölkerung wende." — Die Stadtbibliothek in Frankfurt am Main hat eine neue höchst ivertvolle Zuwendung erhalten, indem sie durch Herrn Theodor Stern in den Stand gesetzt wurde, die berühmte Dürer-Bibliothek G. A. Cornill-D'Orvilles von dessen Erben bei der in Stuttgart stattgehabten Berstri- I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.